16 Juli 2008

buch: Richard Yates / Elf Arten der Einsamkeit

cover yatesRichard Yates / Elf Arten der Einsamkeit
aus dem Amerikanischen von Hans Wolf und Anette Grube
Btb Verlag / 9,00 Euro

Das Richard Yates wiederentdeckt wurde ist großartig, denn diese Stories gehen unter die Haut.

Wären die Protagonisten in diesem Buch die Hauptdarsteller verschiedener Kurzfilme, so hätten sie die tragischsten Rollen erwischt. Unzufrieden in der Kleinstadthölle oder im sonoren Arbeitsalltag gefangen. Der Ausbruch mit Happy End will keinem wirklich gelingen. Einen bitteren Beigeschmack hat jede Geschichte. Die vom geschassten Angestellten, der seit seiner Jugend nur verliert und sich dabei ertappt Gefallen daran zu finden, ebenso wie die des Idealisten und Hobbyautoren Sobel.

Wer ein Buch will in das man sich reinfühlen kann und das zum Nachdenken anregt, der kann hier nichts falsch machen. Manchmal jedoch scheint die Schwermütigkeit der Stories einen zu übermannen. Das Buch wird zur Seite gelegt und stets ertappt sich doch dabei unbedingt wissen zu wollen wie das Drama seinen Lauf nimmt.

medientipps:

04 Juli 2008

buch: Christian Schünemann / Der Bruder

cover saramagoChristian Schünemann: Der Bruder
Ein Fall für den Frisör
Diogenes Taschenbuch / 8,90 Euro

Das ist der charmanteste Krimi den ich bisher lesen durfte - eine wahre Freude.

Thomas Prinz hat eigentlich schon genug um die Ohren, denn Weihnachten kündigt sich an. Die Schlangen bei Dallmayr in München werden länger, die Wünsche seiner Kundinnen anspruchsvoller und die Frage wo das Fest zelebriert werden soll ist ungeklärt. Als wäre das alles nicht genug steht nun dieser Mann im Frisörsalon und behauptet, dass er sein Bruder sei. So beginnt die wunderschön geschriebene und spannend-unterhaltsame Geschichte von Thomas Prinz' zweitem Fall.
Jakob Zimmermann ist ein Maler - ja, ein echter Künstler - mit bescheidenem Erfolg. Als seine Mutter starb, da beschloss er seine Halbgeschwister aufzusuchen und ihnen vom gemeinsamen Vater zu erzählen - oder wird er sein Erbe einfordern? Sein Beliebtheitsgrad steigt schnell an, er genießt das Vertrauen fast aller Menschen in seinem Umfeld, aber dann geschieht etwas ganz und gar Unerwartetes.

Anfangs überlegte ich mir, ob dieser Roman wirklich zu den Krimis gehört und meine Antwort ist: sowohl als auch. Schünemann lässt seine Leser in das Leben der Familie Prinz und ihrer dunkleren Seiten eintauchen, zeichnet ein schönes Bild des vorweihnachtlichen München und entführt sie in die Welt der Künstlerszene.
Wer also einen Cocktail aus erfrischender Unterhaltung und Spannung wünscht, der sollte beim zweiten Fall für den Frisör zugreifen.


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