09 Dezember 2008

buch: Shalom Auslander / Eine Vorhaut klagt an

cover auslanderShalom Auslander / Eine Vorhaut klagt an
aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld
Berlin Verlag / 19,90 Euro

Der autobiographische Roman von Shalom Auslander - bitterböse und höchst intelligent.

Shalom Auslander ist in einer kleinen ultra-orthodoxen jüdischen Stadt im US-Bundesstaat New York aufgewachsen. Schon früh beginnt er die Gebote und Verbote - es gibt von Letzteren ganze 365 und damit für jeden Tag im Jahr eines - auf eine ganz eigene Art und Weise auszulegen. Der unglaubliche Reiz der von all den Dingen ausgeht, die "trefe" (also verboten) sind, ist zu groß, als dass er in jungen Jahren widerstehen kann. Geprägt von seiner religiösen Erziehung in der örtlichen Jeschiwe entsteht, aber gleichermaßen eine große Furcht vor dem Zorn Gottes. Diese Furcht prägt sein gesamtes Leben und hat ihn auch schon zu den großartigen Stories "Vorsicht, bissiger Gott" inspiriert. Ob Schmuddelheftchen oder unkoscheres Essen im Freibad - die Versuchung lauert an jeder Ecke. Sein Deal ist so einfach, wie genial: Eine schlechte Tat, muss mit einer guten aufgewogen werden und so entspinnt sich eine urkomische und doch wahre Lebensgeschichte. Sein Aufenthalt in Israel und sein gegewärtiges Leben als Autor abseits des alltäglichen religiösen Wahnsinns lässt den Leser staunen und lachen. So bleibt eine Aussage hängen, nämlich sein Fazit: Er glaube immernoch - leider.

In diesem bitterbösen und selbstironischen Buch, geht es nicht unbedingt nur um das Judentum in seiner strengen Auslegung. Es geht, so erklärt Auslander in einem Interview, um Religion und Glauben an sich. Auf einer seiner ersten Lesungen dankte ihm ein älterer Herr dafür, dass endlich jemand ein Buch über den Katholizismus geschrieben habe. Dass dies jedoch ein Jude sein würde, habe er nicht erwartet. Jeder der dieses Jahr noch ein grandioses Buch lesen möchte, dem sei zu "Eine Vorhaut klagt an" geraten.

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