08 Januar 2009

buch: Christian Kracht / 1979

cover krachtChristian Kracht / 1979
192 Seiten / 1.Auflage September 2008
Kiepenheuer & Witsch / 16,95 Euro

Die totale Selbstvernichtung - Eine Reise von Teheran, Tibet bis nach China

Christian Kracht war mein Autor 2008 und es ist mehr als richtig ihm hier mehr Platz einzuräumen. Nach "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" möchte man sich nun mit dem großartigen Roman "1979" befassen. 2001 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen gerne auch mal, ob einer angeblich fehlenden Substanz verissen, hat mich dieses Buch - nun als dtv-Taschenbuch zu haben - ungemein beeindruckt.

Zwei Männer, viel mehr doch ein schwules Paar, in der Hauptstadt eines Landes, dass eine der größten, wenn nicht die größte Revolution des 20.Jahrhunderts erlebt. Der von seiner Beziehung und sich selbst völlig angewiderte und doch so handzahme Ich-Erzähler zieht uns hinein in einen Strudel aus Dekadenz und bürgerlichem Überfluss. Der Norden Teherans ist das Beverly Hills dieser Metropole. Hier finden wir uns nun wieder - inmitten einer orgiastischen Feierei, deren Höhepunkt das völlige "ausser-Kontrolle-geraten" des Freundes unseres Protagonisten ist. Hernach geht es rapide bergab, natürlich nur im übertragenen Sinne, denn eigentlich geht es nun erst bergan. Dem Abstieg in die dunklen Gassen Teherans folgt eine Sinnsuche in Tibet und die Selbstauflösung in einem chinesischen Arbeitslager.

Christian Kracht findet dieses, sein eigenes Buch kitischig. Gelacht hätte er bisweilen über das was er da aufgeschrieben habe. Ja, es ist manchmal kitschig bis zur Erbarmungslosigkeit und gleichzeitig muss es das sein. Ansonsten würde man an der Tatsache, dass Kracht Dinge die wir teilweise nur schemenhaft wahrnehmen, gestochen scharf darstellen kann, zerbrechen. 1979 ist ein Stück deutsche Literaturgeschichte.


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