06 November 2009

buch: Henning Kober / Unter ...

cover koberHenning Kober / Unter diesem Einfluss
284 Seiten / 10/2009
S.Fischer / 18,95 Euro

Jeder Augenblick ist ein Bild. Verdammt viele Bilder in einem verdammt guten Buch.

Das Feuilleton behauptet stets, dass Henning Kobers Debüt im popliterarischen Erbe von Christian Krachts "Faserland" steht. Ehrlicherweise bin ich mir da nicht so sicher. Ja, "Unter diesem Einfluss" hat einen ähnlichen Sound. Kober und Kracht, das ist eine Aliteration. Beide sind eine Art Weltenbummler. Trotzdem fällt es mir schwer, dass streitbare Etikett Popliteratur zu wählen.

Widmen wir uns der Story. Berlin versinkt im Schnee. Der Notstadt soll ausgerufen werden und Janus feiert mit seinen Freunden. Er feiert. Die Bässe wummern. Einer fehlt jedoch und das ist Janus' Bruder Bobby. Was von Bobby bleibt sind wütende Blogeinträge im Internet. Die finale Hysterie. In der Hoffnung seinen Bruder wiederzufinden macht sich Janus auf den Weg. Über Berlin geht es unter anderem nach London, Paris, Las Vegas (ein besonders großartiger Abschnitt meiem Empfinden nach), Los Angeles und New York. Doch auch Afghanistan und Irak sind Schauplätze in diesem rasanten Roman.

Über ein Jahr begleiten wir einen Menschen auf einer ziellosen Suche. Scheinbar angekommen rückt das Ziel wieder in weite Ferne - eben nicht nur Bobby oder Jackie, nicht nur Bas oder Alfie. Was ist Nähe? Die Antwort auf diese Frage wird nicht diktiert. Es gibt keinen wirklichen Erzähler. Mit Sicherheit ist ein großer Wurf Kobers die Tatsache, dass ich diese Geschichte völlig anders gelesen habe, als manch anderer Mensch sie lesen wird.

Dazu gilt es die durchaus subversive Kritik zu feiern. Zwischen dem ominösen Magazin für das neue Deutschland (wo ist Ulf Poschardt?) und der künstlichen Oase Tropical Island steckt in diesem Buch mehr als nur Unterhaltung. Danke Henning Kober!

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02 November 2009

buch: Gerard Donovan / Winter in ...

cover donovanGerard Donovan / Winter in Maine
aus dem Englischen von Thomas Gunkel
208 Seiten / 10/2009
Luchterhand / 17,95 Euro

Der Zauber dieses Buches liegt in dessen Atmosphäre und dem Duell des Leser mit der Moral

Julius Winsome lebt als Einsiedler in einer Hütte im US-Bundesstaat Maine. Der nächste Ort ist Fort Kent - der nördlichste Zipfel der USA, mal abgesehen von Alaska. Der einzige treue Begleiter und Freund in Winsomes Leben ist der zahme Pittbullterrier Hobbes. Schon dessen Name lässt auf einen durchaus literarisch-versierten Besitzer schließen. Dem ist so, denn die Wände säumen Bücherregale. 3282 Bände Weltliteratur, oft wertvolle Erstausgaben sind ein wichtiger Teil in Julius' Leben.

Als er eines Tages seinen Hund erschossen auffindet bricht seine Welt zusammen. Einen neuerlichen Verlust kann er nicht verkraften - seine Mutter starb schon bei der Geburt und vor zwanzig Jahren starb sein Vater. So fasst er einen schrecklichen Entschluss.

Der Autor Gerard Donovan gab in einem Interview an das Buch innerhalb von acht Wochen geschrieben zu haben. Schier unglaublich scheint dies, ließe doch der Stil und die Atmosphäre die er aufbaut auf monatelange Arbeit schließen. Dieses Buch ist mein Favorit unter den Herbstneuerscheinungen und gehört gerade zum drohenden Winteranfang auf eigentlich jeden Nachttisch.

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