21 März 2010

buch: Versteh mich nicht falsch

cover verstehVersteh mich nicht falsch
Gesten weltweit. Das Handbuch.
Julia Grosse und Judith Reker
EAN 9783981337006 / 128 Seiten
Bierke (2010) / 14,90 Euro

Dieses Buch ist nicht nur informativ und unterhaltsam - hübsch kommt es auch daher.

Es wird nicht verborgen geblieben sein, dass sich hier viele Empfehlungen um das Reisen und Unterwegssein drehen. So ist es auch bei dieser kleinen und feinen Veröffentlichung aus dem Münchner Bierke Verlag. Versagt der Wortschatz auf der Reise, dann kommt man nicht umher sich mit Händen und Füssen zu unterhalten. Hier kann die Lektüre von Versteh mich nicht falsch vor der Reise äußerst hilfreich sein. In Afghanistan oder Irak wird man sich mit einem fetten Lächeln und dem erhobenen Daumen sicher keine Freunde machen - selbst, wenn man es noch so gut meint. Wieso? In beiden Ländern gilt diese Geste als vulgäre Beleidigung. Man erinnere sich an Silvio Berlusconis Entgleisung im Februar 2002 - bei einem Gruppenfoto zeigte er hinter dem Kopf des damaligen spanischen Außenministers Josep Pique die Geste, die einen gehörnten Ehemann anzeigt. Julia Grosse und Judith Reker haben in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Bong-Kil Grosse ein Büchlein entworfen, dass gleichermaßen zum Schmunzeln anregt, wie informiert.

Auf der Website [*] zum Buch gibt es übrigens die Möglichkeit sich ein paar Seiten durch das Buch zu blättern. Verschafft euch also einfach selbst einen Eindruck. Es lohnt sich.

medientipps:

09 März 2010

buch: Georg Zoche / Welt Macht Geld

cover zocheGeorg Zoche / Welt Macht Geld
EAN 9783936738636 / 352 Seiten
Blumenbar (2010) / 19,90 Euro

Wer unsere Welt wie sie ist ein Stück besser verstehen will, sollte Georg Zoches Buch lesen.

Geht es nach google.de schlägt Geld mit ca. 57.100.000 Ergebnissen die Liebe (ca. 55.300.000). Kaum ein anderer Begriff ist mit mehr Floskeln oder Synonymen gesegnet als unser Geld. 'Geld regiert die Welt' oder 'Ohne Moos nix los'. Die etymologischen Ursprünge von 'Knete' und 'Schotter' würden mich dabei schon sehr interessieren. Mehr an die Substanz geht es jedoch in Georg Zoches Buch Welt Macht Geld. Innert weniger Seiten war mir klar, dass ich nach dieser Lektüre ein völlig neues Verständnis von Geld haben werde und vor allen Dingen, dass dieses Sachbuch mich nicht einen Absatz langweilen wird.

Keineswegs sind die Ursachen für die aktuelle Finanzkrise ausschließlich beim Versagen der US-Notenbank und ihrer Zinspolitik oder bei diversen Ratingagenturen zu suchen. Sie liegen in der Geschichte der Geldpolitik. Vor über 65 Jahren wurden auf der internationalen Währungskonferenz von Bretton Woods in aller Heimlichkeit Dokumente umgeschrieben und somit Vertreter von 43 der 44 teilnehmenden Staaten getäuscht. Dieser von Großbritannien als Betrug eingestufte Umstand, ist Grundlage des Geldsystems, dass durchaus als Ursprung des Ungleichgewichts genannt werden kann, dass letztlich in die große Finanzkrise der Nullerjahre führen musste.

Welt Macht Geld zeichnet sich durch eine großartige Lesbarkeit aus. Selbst bekennende Verfechter des Rechts auf Outsourcing von logischen Denkenaufgaben an Freunde, Bekannte oder Angestellte kommen mit diesem Buch zu Recht. Habe ich Harry Dexter White oder Alan Greenspan einfach nicht verstanden, dann springt Zoche einen Absatz später zur Hilfe und erklärt nochmal. So funktioniert dieses Buch und so entsteht ein Verständnis für diese komplexe Materie. Als einziges Manko mag angeführt werden: Zwischenzeitlich wollte ich, im Angesicht von so viel Gier und Schamlosigkeit der Finanzindustrie und den mächtigsten Nationen, meinen Kopf gegen die Scheiben der nächsten Bankfiliale schlagen. Hätte auch niemandem geholfen und so habe ich es gelassen.

Lieber zitiere ich abschließend den Autoren selbst:
"Heute ist abzusehen, dass uns der US-Dollar als Weltleitwährung verlassen wird und so stellt sich die Frage, was folgen soll.
Die Beantwortung dieser Frage sollten wir aber nicht der Finanzindustrie oder mächtigen Nationen überlassen. Wir, die Zivilbevölkerung, müssen uns einmischen. Denn die zukünftige Finanz- und Wirtschaftsordnung wird entscheiden, ob wir die Probleme der Zukunft lösen können." [*]

medientipps:

02 März 2010

buch: Elisabeth Rank / Und im Zweifel für dich selbst

cover rankElisabeth Rank / Und im Zweifel für dich selbst
EAN 9783518461433 / 202 Seiten
Suhrkamp Nova (2010) / 12,90 Euro

Aufbrechen, weil etwas wegbricht in der Hoffnung auf dem Weg zu vergessen was war

Kann es so leicht sein? So einfach? Diese Frage stellte sich Lene, als sie Tim kennen und lieben lernt. Ihre Zweisamkeit hält an, doch im Sommer 2006 stirbt ihr Freund bei einem tragischen Verkehrsunfall. Lene fällt in ein tiefes Loch, aus dem ihr der Trost der Familie nicht heraushelfen kann. Ihre Heimatstadt Berlin ist gepflastert mit Erinnerungen und so bleibt ihr nur ein Ausweg. Aufbrechen nach irgendwo und die einzige Person die sie auf diesem Roadtrip begleitet ist ihre Freundin Tonia.

Die Sonne brennt gnadenlos. Ihre anfangs ziellose Reise führt sie heraus aus Berlin, quer durch die mecklenburgische Provinz. Von Ort zu Ort und es ist als ob, wie ein gänzlich unsichtbarer Verfolger, die Erinnerungen stets am Heck des Autos hängen. Da sind Fragemente, Bruchstücke, Mosaiksteinchen einer Zeit die eben noch war, doch nicht mehr ist und nie mehr sein wird. Unwillkürlich tauchen sie auf und entführen uns als Leser, in Lenes Gedankenwelt. Das Äußere, dass plötzlich nicht mehr mit dem Inneren übereinstimmt zeigt sich in fast schon surrealen Begegnungen an Rasthöfen, malerischen Landschaftsbildern und letztlich der unweigerlichen Rückkehr nach Berlin.

Der Schmerz, der in Elisabeth Ranks Debütroman anklingt ist von einer solchen Intensität, dass es einem zeitweise scheint, als würden einen die Zeilen anbrüllen. Lenes lautloses Weinen und Gemurmel, der Schweiss auf der Oberlippe und die Hilflosigkeit in der ersten großen Krise - all dies wird Seite für Seite spürbar und das ist so herausragend, an dieser Roadstory. "Und im Zweifel für dich selbst" ist ein Generationenporträt und eine wundervolle Liebesgeschichte. Selten schafft es ein Roman, mich in aller Öffentlichkeit zu Tränen zu rühren. Frau Rank hat es geschafft und schreibt sich ganz nach oben, in meine Hitliste der Neuerscheinungen 2010.

medientipps: