15 Mai 2010

buch: Philipp Tingler / Doktor Phil

cover tinglerPhilipp Tinlger / Doktor Phil
Roman
EAN 9783036955575 / 320 Seiten
Kein & Aber (2010) / 19,90 Euro

Dieses Buch ist jene Melange, die viele Schriftsteller vergeblich zu schaffen suchen

Es ist doch recht schön. So zu leben, wie Oskar Canow es tut. Er ist Schriftsteller und Autor für diverse Hochglanzmagazine, obendrein erfolgreich und hübsch. Der Protagonist in Philipp Tinglers neuem Roman Doktor Phil darf zu jenen Menschen gezählt, die sich in einem Umfeld elysischen Ausmaßes aufzuhalten scheinen. Genau um diesen Schein geht es auch vornehmlich, aber fahren wir mit konkreten Inhalten fort. Als Oskar Canow und seine Frau Lauren feststellen, dass sie sich finanziell doch ein wenig übernommen haben, tritt ein unerwarteter Gast auf den Plan. Der Teufel - und zwar erstmal in Gestalt des italienischen Modeschöpfers Cavalli. Später, als unser Held sich gerade einen Iced Triple Venti Latte bei Starbucks zu ordern gedenkt, tritt der Leibhaftige übrgens als der große Philosoph und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno auf. Köstlich, wie er sich für diesen Auftritt erklärt: 'Niemand erkennt mich. Ich bin längst aus der Mode. Adorno ist aus der Mode, meine ich. Jedenfalls mal sicher auf der Zürcher Bahnhofstrasse.'

Was Luzifer nun anzubieten hat, ist natürlich nichts geringeres als ein Deal. Ein Teufelspakt - fürs erstere natürlich nur auf Probe. Canow müsse nicht einmal seine Seele verpfänden und überhaupt scheint kein Haken an der Sache zu sein. Warum also nicht? Die Angelegenheit muss jedoch aus dem Ruder laufen und nicht nur die aufkommenden Zweifel Canows an der Kredibilität des Teufels sind Grund dafür.

Philipp Tinglers gleichermaßen kurzweilige, wie anspruchsvolle Art diese offenbar wahnwitzige Geschichte zu erzählen ist ein Vergnügen. Er hat nicht nur einen Plot geschaffen, der fesseln kann, sondern er formuliert die Sektion einer ganzen Gesellschaftsschicht. Die Reichen und Schönen. Botox und Mentholzigaretten. Wie oben bereits angedeutet, geht es in Doktor Phil viel um den Schein der Dinge und des Wesens an sich. Das musste so kommen, hat doch Tingler die Geschichte eines Adrian Leverkühn, an den Zürcher Helvetiaplatz und den Belvoir Park verlegt. So sticht dieses Buch insgesamt hervor, zwischen den zahllosen Neuerscheinungen dieses Frühjahrs.

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