12 Dezember 2010

buch: Rainald Goetz / elfter september 2010

cover rainald goetz elfter september 2010Rainald Goetz / elfter september 2010
Bilder eines Jahrzehnts
EAN 9783518422076 / 224 Seiten
Suhrkamp (2010) / 34,90 Euro

Die Nuller. Fotos. Feine Worte. Viel Berlin. Aber nicht nur.

Rainald Goetz ist ein Schriftsteller den ich mag. Er hat sich vor Jahren mal, da war ich noch gar nicht auf der Welt, beim Ingeborg-Bachmann-Preis, mit einer Rasierklinge die Stirn aufgeritzt. Mit von Blut besudelten Händen und blutbesudeltem Manuskript sorgte er für einen Eklat. Er schrieb mal für die Spex, tat selbiges über Sven Väth und mit Westbam, schrieb das Buch Rave [*] und vor ein paar Tagen schickte mir Suhrkamp sein neues Buch. elfter september 2010. Bilder eines Jahrzehnts. Jetzt mag ich Rainald Goetz noch ein wenig mehr, denn er hat dem Suhrkamp Programm ein ganz wunderbares Fotobuch beschert.

Es ist also ein Fotobuch geworden. Ein Bildband. Man mag es nennen, wie man möchte. Über die Tatsache hinaus, dass Goetz, der seit Kindesbeinen mit Fotografie konfrontiert, ganz toll fotografiert, werden nahezu jedem Motiv in diesem Band ein paar Worte gewidmet. 'Schröder betritt den Reichstag durch den Nordeingang' (Seite 48), 'empfindungskomplexe Molekülmodelle' (Seite 50). Mein tiefes Harmoniebedürfnis fühlt sich in Bild- und Wortwahl geborgen. Ich sehe Peter Struck auf Seite 119, sehe den politischen Betrieb der Nullerjahre und das alles paart sich mit dem Exzess des Nachtlebens, des Kulturbetriebs. Es ist mir mit diesem Buch als beschalle DJ Hell den Bundestag und Norbert Röttgen (Seite 163, fast Bildmitte jedenfalls) stünde im Pudel Club neben mir.

Dieses Buch ist ein gerechtes Zeitdokument. Es haut rein. Dreigeteilt und vornehmlich Berlin gewidmet, finde ich hier die letzten neun Jahre meines Lebens verpackt zwischen zwei Buchdeckeln. Es sticht. Ich habe fast ein wenig geweint bei einigen Bildern. Der Melange wegen, die so schön ist. Doch nun vorwärts und sehen, ob Rainald Goetz einem weiteren Buch die Worte aus Psalm 23 'und müsste ich gehen in dunkler Schlucht' voranstellt. Ich erhoffe es mir.

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