14 März 2011

einwurf #32

paul fusco chernobyl legacydas ist unser einwurf #32
heute: jubiläum.

Vor wenigen Tagen war, jedenfalls allem Anschein nach, der ehemalige Verteidigungsminister zu Guttenberg bei einer überwältigenden bundesdeutschen Mehrheit Thema Nummer eins. Es wurde gestritten, denn die BRD hatte plötzlich zwei klare Mehrheiten und es musste eine eindeutige Entscheidung getroffen werden. Wir kennen das Ende der Geschichte. Deutschland blieb gespalten, wurde zwar trotzdem nicht geteilt und letztlich fiel der Minister. Bei all dem fehlte nur eine Schlagzeile: 'Guttbye Kanzler der Herzen!'. Sie wurde nicht geschrieben, doch das ist nun Schnee von gestern. Die Bundesrepublik hat ein neues, altes innerdeutsches Politikum an dem sich die Gemüter erhitzen dürfen: Die Renaissance des Widerstands gegen die Nutzung von Atomkraft - ausgelöst durch die dramatischen Bilder, die uns aus Japan vom AKW Fukushima erreichen.

Empörung macht sich breit. Atomkraftwerke sind gefährlich und das wollen wir hier in Deutschland gar nicht. Gut, mag der eine oder andere Bürger sich sagen, wir haben hier ja keine Erdbeben und Tsunamis. Trotzdem geht das nicht mehr, wird ihm die breite Masse entgegenbrüllen, denn lass da mal was anderes passieren. Menschliches Versagen, eine ausgefallene Pumpe und was da nicht alles möglich ist. Ein GAU oder gar ein Super-GAU? Nein! Atomkraft ist das neue innerdeutsche Reizthema für die nächsten Wochen. Vielleicht drei Monate, denn solange ruht der Ausstieg aus dem Atomausstieg. Ein eiliges Memorandum der Bundesregierung sieht einen dreimonatigen Stopp der Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke vor. Ein Zeichen ist gesetzt, jetzt kommt es natürlich darauf an, wo die Mehrheiten am Ende des Liedes zu finden sind.

Übrigens Teil 1. Der ehemalige Verteidigungsminister zu Guttenberg war ja schon mal Minister: Wirtschaftsminister nämlich und zwar der jüngste in der bewegten deutschen Geschichte. In dieser aufregenden Position hat der CSU-Politiker sich für die Erforschung neuer Super-Reaktoren und natürlich für eine Laufzeitverlängerung eingesetzt.

Übrigens Teil 2. Vor bald fünfundzwanzig Jahren schrieb eine Schulklasse in Hamburg eine Klausur. Oben rechts in die Ecke des Reinschriftbogens notierten die Steppkes das Datum 25. April 1986. Am nächsten Morgen wachten sie in einer Welt auf, die sich nachhaltig verändert zu haben schien. Nahe der ukrainischen Stadt Prypjat ist in der Nacht zum 26. April im Atomkraftwerk Tschernobyl zum Super-GAU gekommen. Die Welt hat sich nicht nachhaltig verändert. Punkt. Eine Feststellung. Wer erinnert sich dieser Tage noch bewusst der Katastrophe von Tschernobyl?

Der Magnum - Fotograf Paul Fusco hat es wohl getan. 'Chernobyl Legacy' ist eine Arbeit die mich zu Tränen gerührt hat. Vielleicht aus Verzweiflung oder Wut, vielleicht aus Mitgefühl oder Resignation. Vielleicht jedoch auch, weil ich dankbar war für Fuscos Schaffen und weil ich nicht aufhören kann zu hoffen, dass die menschliche Zivilisation doch noch die Kurve kriegt. Irgendwie. Schaut euch die Arbeit an. Audiovisuell großartig aufbereitet und sicher nichts für schwache Nerven: Chernobyl / MAGNUM in Motion.

photography © paul fusco - paulfuscophoto.com

3 Ansagen:

Markus hat gesagt…

Sprachlos.

Lene Ricarda Vollhardt hat gesagt…

Danke!

FUP hat gesagt…

sehr gut!