GENERATION OS13
THE NEW RESISTANCE CULTURE
- (uk / 2011)
director: Michael Oswald
producer: John-Paul Pryor
camera: Michael Oswald
researcher: Michael Horwarth
music: Various
Ein irgendwie verrücktes Jahr geht bald in die Halbzeit. Dem sogenannten arabischen Frühling wird in unseren Breiten wieder weniger Aufmerksamkeit geschenkt und damit, dass ein Eingreifen der NATO im lybischen Konflikt doch nicht von kurzer Dauer sein wird, haben sich die meisten Menschen auch arrangiert. Nach Spanien wurde, was die Massenmedien angeht zwar mit einiger Verzögerung, dann noch geschaut. Da hat es geknallt oder knallt es noch? Obwohl doch keine Handynetze in Madrid abgestellt werden und die unabhängige Berichterstattung nicht eingeschränkt wird, erobert die breite Protestbewegung in Spanien eher selten die Schlagzeilen. Übrigens wurde vor ein paar Wochen der Tod des sogenannten 'Terrorfürsten' Osama Bin Laden verkündet - wie steht es eigentlich um die Menschen, die im Rahmen der Operation festgenommen wurden? Und die ganzen beschlagnahmten Informationen?
Machen wir nach diesen zwingenden Fragen einen Schnitt und stellen fest, dass es um die Informationsgesellschaft eher bescheiden steht. Aufklärung und unabhängiger Austausch von Informationen sind so wichtig wie eh und je. Deshalb ist Datajournalismus à la Wikileaks so wichtig, wobei anzumerken sei, dass Julian Assange keineswegs der Messias und seine Plattform lediglich ein gutes Exempel ist. Das internationale Kollektiv Anonymous hingegen hat weitaus mehr Sprengkraft. Anfangs ein ausschließlich virtuelles Phänomen, ist Anonymous heute eine durchaus greifbare und reale Protestbewegung jenseits der Nerds und ihrer Subkultur.
In Michael Oswalds Dokumentation Generation OS13 - The New Resistance Culture wird dies mehr als deutlich. Gleich zu Beginn tritt eine mit der für Anonymous typischen V for Vendetta - Maske bekleidete Person auf uns zu und aus dem Off erklingt eine computergenerierte Stimme, die fundamentale einleitende Worte spricht. Das knapp halbstündige Video führt uns schonungslos vor Augen, wie die Beschneidung unserer Freiheit und Repression eng mit dem Bestreben der Wirtschaft und der westlichen Regierungen verknüpft ist, das monetäre System zu erhalten, in dem die Worte Gerechtigkeit und Gemeinwohl lediglich ein sinnfreie Aneinanderkettung von Silben sind.
Hat man alles schon gesehen und gehört, könnte die geneigte Leserschaft jetzt anmerken. Völlig richtig und trotzdem ist die Arbeit von Oswald und Pryor sehr sehenswert. Nicht nur weil sie unwahrscheinlich ästhetisch aufbereitet ist, sondern auch weil sehr gute Menschen zu Wort kommen. Neben Interviews mit den wunderbaren Musiker Anika, Gaggle und Saul Williams kommt auch der durchaus interessante Autor Nicolas Shaxson zu Wort. Weiterhin Billy Childish und die Macher von Bare Bones und The Quietus. Alleine um die letztgenannten Projekte und die Köpfe dahinter kennenzulernen sollte die eben möglicherweise noch mäkelnde Leserschaft sich diese Doku umgehend zu Gemüte führen.
Schließen wir mit dem Zitat 'turning fiction into reality and reality into fiction', werden wir uns bewusst das dies möglich ist und verbreiten wir gute, wichtige Informationen, wie diesen Film.
11 Juni 2011
film: Generation OS13
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