04 April 2011

buch: Tino Hanekamp / So was von da

cover tino hanekamp so was von daTino Hanekamp / So was von da
Roman
EAN 9783462042887 / 288 Seiten
Kiepenheuer & Witsch (2011) / 14,95 Euro

Krieg? Krebs? Kiezkalle? Beschissene Wörter. Dieser Roman? Fabelhaft.

Der einundreissigste Dezember und ein neues Jahr kündigt sich an. Oskar Wrobel hat allen Grund, dieser Tatsache eher verhalten entgegen zu sehen, denn es ist die letzte Nacht. Sein großartiger Musikclub, in dem er und das tobende Publikum der nüchternen Realität zu entfliehen im Stande waren, wird abgerissen. Folgerichtig ist Silvester nur der allseits laute Rahmen für das letzte große Spektakel am anderen Ende der Reeperbahn. Was bleibt sind Erinnerungen, Erfahrungen und ein verdammter Schuldenberg. Falls die ganze Sache nicht vorher noch ordentlich eskaliert und Gründe dafür gibt es genug.

Ein Ex-Lude, der seine Wohnung stürmt und unwirkliche Forderungen stellt, dürfte ebenso einer sein, wie sein bester Freund Rocky, der im Zenit seiner Karriere, aber auch am Rande des Wahnsinns steht. Doch erstmal muss der Club für den Leichenschmaus aufgemotzt und hergerichtet werden. Wechselstube, extrem viel Schnaps, das übliche Gemüse, rotes Obst für die MDMA-Bowle, Friedhofskerzen zwecks Fummellicht in den Bumsbuden, Eis und Blumen beim Kurden. Eine Liste, sowie ein enger Zeitplan, dessen Einhaltung durch den Auftritt des toten Elvis und der Innensenatorin zu einem schier unmöglichen Unterfangen zu werden scheint. Und letztlich ist da noch Mathilda. Mathilda, Mathilda, Mathilda - die große, die einzige, die wahre Liebe. Das Stigma, dass Oskar schon eine gefühlte Ewigkeit mit sich herumträgt, denn Mathilda scheint verloren.

Ein Held mit gebrochenem Herzen, dessen Wirkungsgrad über knapp dreihundert Seiten kaum größer ist, als die bescheidenen Hallen seines Clubs, der im Sterben liegt, ist Garant für den aktuell besten Roman aus Hamburg. Existenzielle Fragen mischen sich in 'So was von da' mit dem bitteren Geschmack von MDMA und zusammengebrochenen Gaderobestangen. Wenn Anselm, der von Seite zu Seite immer derangiertere Liftboy, die verehrte Biomasse im Fahrstuhl zum Schafott willkommen heißt, dann geht mir das Herz auf. Traurig schön ist dieser Roman und so unwahrscheinlich komisch und unterhaltsam, dass man ihn wie im Rausch nicht mehr aus der Hand legen will, bis die letzten Lichter ausgehen.

Verehrte Leserschaft, es handelt sich bei Tino Hanekamps Werk um ein zwingendes Buch. Lesen Sie es!

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