25 August 2010

buch: Maziar Moradi / 1979

cover maziar moradiMaziar Moradi / 1979
aus dem Persischen von Alexandra Cox
EAN 9783868281187 / 296 Seiten
39 Farbabb. / 27,5 x 24 cm
Kehrer Verlag (2010) / 36,00 Euro

Eine ganz persönliche Geschichte in Wort und Bild.

Erst gestern bestellt und heute durfte ich dieses wunderbare Fotobuch durchblättern, eine Zigarette anzünden und in den Motiven versinken. Der gerade im Heidelberger Kehrer Verlag erschienene Bildband von Maziar Moradi hört, ganz wie der großartige Roman von Christian Kracht, auf den Titel 1979. Er ist schlicht und ergreifend die Schilderung der Geschichte seiner eigenen Familie zur Zeit der islamischen Revolution und des grauenvollen Krieges zwischen Iran und Irak in Text und Fotografie.

Die Bildsprache Moradis begeistert mich. Jedes der Motive scheint sich nahtlos an den jeweiligen Vorgänger anzufügen und die Inszenierungen, so abstrakt sie teils anmuten, sind klar und brennen sich ins Auge des Betrachters. Für 1979 hat der iranische Fotograf seine eigenen Verwandten herangezogen und ihre Empfindungen dieser schicksalhaften Jahre für die Nachwelt festgehalten.

Maziar Moradi hat an der HAW Hamburg Kommunikationsdesign studiert und ist Gewinner von 'gute aussichten – junge deutsche fotografie 2008 / 2009' gewesen. Mehr Infos über ihn und einen visuellen Vorgeschmack finden geneigte Leser auf seiner Internetseite [*].

und nun die werbung:

15 August 2010

buch: Nathan Dubowizki / Nahe Null

cover nathan dubowizkiNathan Dubowizki / Nahe Null
[ GANGSTA FICTION ]
aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt
EAN 9783827009470 / 224 Seiten
Berlin Verlag (2010) / k.LP Euro

Who's your daddy know? Mütterchen Russland im Klammergriff der Gangsta Fiction.

Als das vorliegende Buch in Russland erschienen ist, hat der Literaturbetrieb nicht stillgestanden. Wer verbirgt sich hinter dem Pseudonym Nathan Dubowizki? Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew stellte schnell fest, dass es sich um den dritten Mann im Kreml handeln müsse. Chefideologe Wladislaw Surkow, der als innenpolitischer Strippenzieher in Russland gilt, scheint in einem Gespräch klare Hinweise auf seine Urheberschaft gemacht zu haben. Offiziell wird dies wohl nicht werden, aber was bedeutet das auch schon, in der russischen Gegenwart?

Ungefähr so ist es auch mit Jegor, dem Protagonisten in Nahe Null. Er ist in erster Linie ein geschickter Geschäftsmann und in zweiter Verleger. Er 'organisiert' Lyrik, Prosa und Drehbücher, was so viel heißt, dass er mittellosen Poeten und Schriftstellern, aussätzigen Schöngeistern also, die Texte für einen Obolus abkauft. Um ein vielfaches höhere Summen erzielt er beim Verkauf der Urheberrechte an seine reichen und mächtigen Klienten. Intellekt und Schöngeist sind käufliche Prestigeobjekte. Die Geschäfte laufen gut.

Mau stehts jedoch um die Empathie. Jegors Mitgefühl ist nicht vorhanden oder geht in abstrakt-genialen Bildern, die Dubowizki zu zeichnen vermag, unter. Seine Tochter jedenfalls kann er nicht lieben und Frauen sind lediglich kurzweilige Lustobjekte. Jegor meidet zu hohe Temperaturen. Wärme ist ihm unerträglich. Die junge Schauspielerin Plaksa, ebenso egoman und schattenhaft, zieht ihn in einen so symbolträchtigen Strudel aus Verstrickungen und Verwirrungen, dass man meint einen Enthüllungsroman in den Händen zu halten.

Sprachlich brilliert Dubowizki. Der künstlerische Wert dieses Buches macht es so besonders. Abseits all der Diskussion, ob der Urheberschaft und ihrer politischen Brisanz, abseits der verborgenen Seitenhiebe und des unglaublichen Zynismus ist diese 'gangsta fiction' auch literarisch ein modernes Meisterwerk des russischen Schreibbetriebs.

und nun die werbung: