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26 Juni 2011

szene: Alexander Rodtschenko

alexander rodtschenko revolution der fotografieALEXANDER RODTSCHENKO
REVOLUTION DER FOTOGRAFIE


zeitraum: 28.05.2011 - 14.08.2011
location: fotomuseum winterthur,
grüzenstrasse 44 - 45, ch-8400 winterthur (zürich)

kosten: fr. 8.-
details: fotomuseum.ch

Schon vor geraumer Zeit erhielt ich einen Umschlag mit lauter schönen Informationen über die kommenden Ausstellungen im Fotomuseum Winterthur. Ich öffnete ihn, las rauchenderweise durch was mir mitzuteilen war und beschloss, dass eine Reise in die schöne Schweiz unausweichlich schien. Überhaupt darf dieses Land als zwingende Alternative zum argentinischen Exil betrachtet werden, wenn die Zeit gekommen ist. Nun jedoch ging es um keine Entscheidung von solcher Tragweite und auch nicht um die angekündigte Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, sondern um jene des großen russischen Konstruktivisten Alexander Rodtschenko.

Als er 1924 beschloss sich der Fotografie zu widmen, war er bereits als Maler, Bildhauer und Grafiker bekannt. Unter dem Ausruf 'Experimentieren ist unsere Pflicht' legte er den Grundstein für eine neue Rolle des Fotografen in der Fotografie. Weg von der ausschließlichen Abbildung dessen was wir als real ansehen und hin zur visuellen Darstellung dessen was wir Denken. Der Künstler als 'Künstler-Ingenieur', wie es die Herrschaften des Fotomuseums Winterthur in ihrem Pressetext schreiben.

Alexander Rodtschenkos Werk ist alles andere als Konstant. Die Veränderungen prägen sein Wirken und Denken. Es sind nicht nur seine großartigen Motive die mich beeindrucken, sondern auch die gelungene Kombination dieser mit seinen Texten. Zweifelsohne inspiriert diese Ausstellung und man kommt nicht umher sind eingehend mit Rodtschenko auseinanderzusetzen. So stieß ich dann auch auf eine Reihe seiner gestalterischen Arbeiten, wie jene die in Zusammenarbeit mit Wladimir Majakowski entstanden. Zum Beispiel einige Werbetexte und Bilder die sich auf das für den Betrachter Wesentliche beschränken. So mag man es, so gefällt es uns.

Für visuelle Inspirationen sei ein Besuch der Website fotomuseum.ch anempfohlen. Desweiteren naht die große Reisezeit. Ersparen Sie sich unspektakuläre Trips in Länder die an der Schwelle zum Staatsbankrott stehen. Besuchen Sie die Schweiz und erleben Sie eine großartige und vom Moscow House of Photography Museum organisierte Ausstellung.

medientipps:

03 Januar 2011

szene: gute aussichten 2010 / 2011

gute aussichten 2011GUTE AUSSICHTEN - JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE 2010 / 2011

zeitraum: 20.01.2011 - 27.02.2011
location: haus der photographie,
deichtorstraße 1-2, 20095 hamburg

details: guteaussichten.org

Das sind 'gute aussichten' für das neue Jahr und zwar ganz im Zeichen der Sieben - denn ebenso viele Juroren haben im siebten Jahr der Ausstellung, sieben Arbeiten prämiert. Aus 96 Einreichungen haben Gründerin Josefine Raab, Wibke von Bonin, Gregor Jansen, Mario Lombardo, Stefan Ostermeier, Thomas Ruff und der Kurator am Haus der Photographie Ingo Taubhorn eine nun also ausgezeichnete Selektion vorgenommen. Summa summarum heißt das für Besucher nun exakt 146 einzelne Motive, zwei DVDs, zwei Bücher, zwei Texttafeln, sowie ein Diaobjekt. Das alljährliche Engagement der Menschen hinter 'gute aussichten' macht diesen Wettbewerb samt Ausstellung zur Angelegenheit schlechthin für jeden dem Fotografie eine Passion ist.

Das großartige Spezial-Heft zu 'gute aussichten 2010/2011' ist übrigens bereits erschienen. Vielleicht wurde es von dem einen oder anderen Mitmenschen in 'Monopol' und 'sleek' bereits entdeckt. Alle anderen finden es kostenfrei in den Deichtorhallen. Für die zauberhafte Gestaltung war erneut der einzigartige Mario Lombardo mit seinem Team des Bureau Lombardo verantwortlich. Geneigte Leser können sich auch schon auf dem Bildschirm den ersten Einblick verschaffen - eine .pdf ist dann der Weg zum Ziel [*].

Darüberhinaus erscheint der diesjährige Ausstellungskatalog, zweisprachig auf Deutsch und Englisch, schon am 17. Januar - ihr solltet ihn besitzen wollen, ebenso wie ihr einmal, zweimal, nein - gleich siebenmal diese Ausstellung besuchen solltet. Los geht es wie schon erwähnt am 21. Januar und zwar ab 19 Uhr.

und nun die werbung:

12 Dezember 2010

buch: Rainald Goetz / elfter september 2010

cover rainald goetz elfter september 2010Rainald Goetz / elfter september 2010
Bilder eines Jahrzehnts
EAN 9783518422076 / 224 Seiten
Suhrkamp (2010) / 34,90 Euro

Die Nuller. Fotos. Feine Worte. Viel Berlin. Aber nicht nur.

Rainald Goetz ist ein Schriftsteller den ich mag. Er hat sich vor Jahren mal, da war ich noch gar nicht auf der Welt, beim Ingeborg-Bachmann-Preis, mit einer Rasierklinge die Stirn aufgeritzt. Mit von Blut besudelten Händen und blutbesudeltem Manuskript sorgte er für einen Eklat. Er schrieb mal für die Spex, tat selbiges über Sven Väth und mit Westbam, schrieb das Buch Rave [*] und vor ein paar Tagen schickte mir Suhrkamp sein neues Buch. elfter september 2010. Bilder eines Jahrzehnts. Jetzt mag ich Rainald Goetz noch ein wenig mehr, denn er hat dem Suhrkamp Programm ein ganz wunderbares Fotobuch beschert.

Es ist also ein Fotobuch geworden. Ein Bildband. Man mag es nennen, wie man möchte. Über die Tatsache hinaus, dass Goetz, der seit Kindesbeinen mit Fotografie konfrontiert, ganz toll fotografiert, werden nahezu jedem Motiv in diesem Band ein paar Worte gewidmet. 'Schröder betritt den Reichstag durch den Nordeingang' (Seite 48), 'empfindungskomplexe Molekülmodelle' (Seite 50). Mein tiefes Harmoniebedürfnis fühlt sich in Bild- und Wortwahl geborgen. Ich sehe Peter Struck auf Seite 119, sehe den politischen Betrieb der Nullerjahre und das alles paart sich mit dem Exzess des Nachtlebens, des Kulturbetriebs. Es ist mir mit diesem Buch als beschalle DJ Hell den Bundestag und Norbert Röttgen (Seite 163, fast Bildmitte jedenfalls) stünde im Pudel Club neben mir.

Dieses Buch ist ein gerechtes Zeitdokument. Es haut rein. Dreigeteilt und vornehmlich Berlin gewidmet, finde ich hier die letzten neun Jahre meines Lebens verpackt zwischen zwei Buchdeckeln. Es sticht. Ich habe fast ein wenig geweint bei einigen Bildern. Der Melange wegen, die so schön ist. Doch nun vorwärts und sehen, ob Rainald Goetz einem weiteren Buch die Worte aus Psalm 23 'und müsste ich gehen in dunkler Schlucht' voranstellt. Ich erhoffe es mir.

und nun die werbung:

25 November 2010

film: How to make a Book with Steidl

HOW TO MAKE A BOOK WITH STEIDLHOW TO MAKE A BOOK WITH STEIDL
director: Gereon Wetzel, Joerg Adolph
producer: Ingo Fliess
sound / mix: Benedikt Hoenes
music: The New Lost City Ramblers
cast: Gerhard Steidl u.v.a

Wer schöne, wertige Bücher liebt, der wird vom deutschen Verleger Gerhard Steidl gehört haben. Zumindest jedoch vom gleichnamigen Verlag - seit über vierzig Jahren entsteht in Göttingen das ganz außerordentliche Fotobuch für ein internationales Publikum. Gereon Wetzel und Joerg Adolph haben in einem Jahr einen hochinteressanten, sehr schönen Film über einen Mann und sein Lebenswerk fertiggestellt.

Gerhard Steidl himself ist ein rastlos Zeitgenosse, bisweilen eigentümlich und genial. Dieser Mann, so vermittelt es jede Minute, lebt für seine Bücher, von denen jedes für sich ein Kunstwerk darstellt. Es sei nun einmal so, erläutert Steidl, dass man mit Fotokunst nicht reich werden könne und so muss auch sein Verlag eine Art Mischkalkulation fahren, um das mitunter exklusive Programm zu ermöglichen. Die Rechte an den Werken von Günter Grass oder Karl Lagerfeld sind bis dato Garanten für laufende Einnahmen und stützen so jene ambitionierten Projekte, die für einen kleinen Kreis ambitionierter Sammler gedacht sind oder eben Herzensangelegenheiten des Hauses sind.

How to make a Book with Steidl ist eine filmische Glanzleistung, die in Leipzig erst kürzlich mit der Goldenen Taube 2010 prämiert wurde. Atmosphärisch dicht und allein der Vielzahl an reizvollen Persönlichkeiten wegen, sollte jeder an Fotografie, Buchkultur und guten Filmen interessierte Zeitgenosse mit diesem Werk rechnen. Die DVD wird voraussichtlich im Dezember 2010 erscheinen.



und nun die werbung:

08 November 2010

einwurf #26

inamillionyearsdas ist unser einwurf #26
heute: castor pixeln.

Für mich war die Dokumentation 'War Photographer' einer der essentiellsten Filmerlebnisse. Es wird wohl jedem Fotografen, der in Krisensituationen dokumentieren will, was um ihn herum geschieht, so gehen wie James Nachtwey. Rasende Wut, tiefe Trauer und unfassliche Euphorie werden durch das Objektiv kanalisiert und manifestieren sich in den entstandenen Motiven. Eine unglaubliche Herausforderung, ein ständiger Struggle. Wir sollten für Arbeit und Einsatz der Fotografinnen und Fotografen jeden Tag ein wenig dankbar sein - ich bin es.

Nun zum eigentlichen Thema. Castor pixeln.
Vor wenigen Tagen ist ein Newsletter des Fotografen Andreas Herzau bei mir eintrudelt. Gemeinsam mit den Fotografen Christian Jungeblodt, Michael Meyborg, Daniel Rosenthal und dem Filmemacher Lukas Thiele hat er ein großartiges Multimedia Projekt realisiert. Mit 'in a million years' formulieren sie, aus Anlass des laufenden Castortransports nach Gorleben, einen bitternötigen Protest gegen die deutsche Atompolitik. Ich habe umgehend den Podcast (jenen und weitere Links findet die geneigte Leserschaft unten) abonniert und möchte das natürlich jedem ans Herz legen.

Es ist ein großes Unrecht. Das was da dieser Tage im Wendland passiert. Das was die schwarz-gelbe Bundesregierung mit dem Ausstieg aus dem Atomausstieg forciert. Das was die Atomlobby auf Kosten der kommenden Generationen treibt. Es ist ein großes Unrecht. Die reine Menschenvernunft müsste uns auf die Straße treiben. Nicht jeder ist im Stande dies zu tun, aber wir können ein Zeichen setzen und darüber sprechen. Davon berichten. Dafür streiten. Tut dies. Supportet Projekte wie 'in a million years'. Entdeckt eigene Möglichkeiten den Protest mitzutragen. Die einen schottern den Castor, die anderen pixeln ihn quasi. Was geht noch?



in a million years [*]
podcast [*]
youtube [*]
twitter [*]
andreas herzau [*]

photography © inamillionyears.com

05 November 2010

szene: Stefan Strumbel & Rüdiger Glatz / Show

stefan strumbel ruediger glatz showSTEFAN STRUMBEL & RÜDIGER GLATZ / SHOW

zeitraum: 06.11.2010 - 03.12.2010
location: vicious gallery, kleine freiheit 46, 22767 hamburg
kosten: keine
details: viciousgallery.com

Stefan Strumbel und Rüdiger Glatz geben sich in der Hamburger Vicious Gallery die Ehre. Ein legendärer Urban Artist mit Faible für das Thema Heimat und ein Fotograf mit Hang zu Schwarzweiß - Fotografie, sowie zur subkulturellen Schublade. Aus ihrer jahrelangen Freundschaft und der gemeinsamen Passion für Aerosol auf Zügen, sind diverse gemeinsame Ausstellungen und ein sehenswertes Buch entstanden. Diesen Spätherbst widmet sich ihre, auf den schlicht und ergreifenden Titel 'SHOW' getaufte, Ausstellung, dem Hamburger Kiez - dem heimlichen Zentrum der Hansestadt.

Ganz in der Nähe, der gemeinhin auf ihre Sündigkeit reduzierten Reeperbahn, liegt die inzwischen überregional bekannte Vicious Gallery. Das Thema muss ein gefundenes Fressen für die beiden Herren gewesen sein. Im Anschluss an die Vernissage am 06.11.2010 wird in den Chilli Club [*] geladen. 'THE SHOW AFTER THE SHOW' - das Red Light Special bei gediegenem Ambiente in der Hafencity. Kann man ja mal machen.

Die Ausstellung wird hiermit jedoch zum zwingenden Pflichttermin erhoben. Hin da!
photography © vicious gallery

medientipps:

27 September 2010

media: Flare

flareFLARE
web. flaremag.de
head. timo nowack
since. 2007
location. leipzig

Professionelle und selbsternannte Fotografen, beliebige und besondere Motive, fotospezifische Magazine und Websites gibt es wie Sand am Meer (weshalb nicht Wüste sagen?) - soweit, so klar.

Flare ist eins dieser Magazine, dass jedoch für meinen Geschmack besondere Erwähnung verdient hat. Kontinuierlich wählen Timo Nowack und Consorten für flaremag.de besonders schöne Bilder und erzählenswerte Stories aus, um sie mit uns Mitmenschen zu teilen. Der nicht-deutschsprachige Leser soll nicht enttäuscht werden, oder auf die eher suboptimalen Dienste von Google Translate zurückgreifen müssen - eine Auswahl der Artikel schnappt sich Rieke Havertz zur Übersetzung für flaremag.com ins Englische.

Für äußerst lesenswert halte ich übrigens, dass Interview mit dem Fotografen Richard Renaldi. Für sein Projekt 'Touching Strangers' hat er sich gänzlich fremde Menschen auf der Straße zusammen abgelichtet. Tolles Projekt, tolles Interview mit einer Auswahl der Gruppenporträts [*] und alles in allem eine tolle Seite.

16 September 2010

szene: Onkel & Onkel mit David Biene

hopped-upONKEL & ONKEL MIT DAVID BIENE

zeitraum: 29.09.2010 um 18:00
location: haus der photographie, bibliothek, deichtorstraße 1-2, 20095 hamburg
kosten: keine
details: freundeskreisphotographie.de

Es gibt viele Fotobuchverlage. Viele kleine, gute und erwähnenswerte Fotobuchverlage mit durchaus betrachtenswerten Titeln. Einer ist defintiv Onkel & Onkel [*] in Berlin-Kreuzberg, wobei er sich auch durch eine Auswahl an belletristischen und verschenkbaren Büchern auszeichnet.

Am 29. September 2010 wird er sich unter dem Motto 'Wie arbeitet ein unabhängiger Kunst- und Fotobuchverlag?' vorstellen. Ebenfalls am Start ist der Berliner Fotograf David Biene. Sein mit 2 CDs ausgestattet Buch 'Hopped Up - European Hotrod Culture' steht für ihn und den Verlag im Fokus des Abends. Uns erwarten realistische und in keinster Weise retuschierte Fotografien aus einer Subkultur, die in Europa stetig wächst. Die erste Auflage des Buches von David Biene ist übrigens bereits vergriffen und zur Zeit wird nach Sponsoren für die Realisierung einer zweiten Auflage gesucht. Ideen hierzu dürfen an mail [at] hopped-up.com geschickt werden.

Wer Zeit hat sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen.



medientipps:

25 August 2010

buch: Maziar Moradi / 1979

cover maziar moradiMaziar Moradi / 1979
aus dem Persischen von Alexandra Cox
EAN 9783868281187 / 296 Seiten
39 Farbabb. / 27,5 x 24 cm
Kehrer Verlag (2010) / 36,00 Euro

Eine ganz persönliche Geschichte in Wort und Bild.

Erst gestern bestellt und heute durfte ich dieses wunderbare Fotobuch durchblättern, eine Zigarette anzünden und in den Motiven versinken. Der gerade im Heidelberger Kehrer Verlag erschienene Bildband von Maziar Moradi hört, ganz wie der großartige Roman von Christian Kracht, auf den Titel 1979. Er ist schlicht und ergreifend die Schilderung der Geschichte seiner eigenen Familie zur Zeit der islamischen Revolution und des grauenvollen Krieges zwischen Iran und Irak in Text und Fotografie.

Die Bildsprache Moradis begeistert mich. Jedes der Motive scheint sich nahtlos an den jeweiligen Vorgänger anzufügen und die Inszenierungen, so abstrakt sie teils anmuten, sind klar und brennen sich ins Auge des Betrachters. Für 1979 hat der iranische Fotograf seine eigenen Verwandten herangezogen und ihre Empfindungen dieser schicksalhaften Jahre für die Nachwelt festgehalten.

Maziar Moradi hat an der HAW Hamburg Kommunikationsdesign studiert und ist Gewinner von 'gute aussichten – junge deutsche fotografie 2008 / 2009' gewesen. Mehr Infos über ihn und einen visuellen Vorgeschmack finden geneigte Leser auf seiner Internetseite [*].

und nun die werbung:

28 Juni 2010

buch: Fotos für die Pressefreiheit 2010

cover fotos fuer die pressefreiheitFotos für die Pressefreiheit 2010
Hrsg. Reporter ohne Grenzen
EAN 9783937683294 / 104 Seiten
TAZ Verlags (2010) / 12,00 Euro

... und traust Du stets Deinen Augen?

Mit Barbara Petersen ist die Reihe 'Fotos für die Pressefreiheit' groß geworden und mit Barbara Stauss erlebt sie in diesem Jahr einen Relaunch. Sowohl Layout, als auch Konzept wurden überarbeitet, damit die Leser noch viel weniger in der Lage sind, diesen Band aus der Hand zu legen. Im ersten Teil geht es vordergründig um Zahlen und Fakten. Eine Weltkarte zeigt anschaulich das globale Ranking der Pressefreiheit. Die skandinavischen Spitzenreiter und die Schlusslichter Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea. Kurze Einblicke in eine Auswahl dieser Staaten bieten die folgenden Seiten, darauf geht es dann gleich in den zweiten Teil.

Längere Fotostrecken, Reportagen, Berichte und ausführliche Interviews mit dem Fokus auf jene Staaten, in denen 2009 das Recht auf freie Information besonders eingeschränkt war und in denen die Verfolgung, Verhaftung und Bedrohung von Journalistinnen und Journalisten zum täglich Brot gehört.

USA, Italien, El Salvador, Israel, Mexiko, Afghanistan, Russland, Palästinensische Gebiete, Somalia, China, Iran, Nordkorea und Eritrea - diese Reise machen wir im Laufe dieses Bandes. Da ist Alixandria Fazzina (London), die als Fotografin Zeugin des Leidens von Flüchtlingen wird, die unter unwürdigsten Bedingungen versuchen ihrer Heimat Somalia zu entrinnen. Am Beispiel der neunzehnjährigen Salima, die Mann und Kind bei einem Raketenangriff von Regierungstruppen in Mogadischu verlor, erfahren wir, was es bedeuten kann, nicht in unserem protegierten Umfeld leben zu dürfen. Salima ist eine von 120 - nur elf werden es schaffen einen traurigen Traum zu realisieren. Ohne die Arbeit von Fazzina und vielen anderen mutigen Menschen würden wir nie erfahren, was in dieser Welt geschieht.

Auf die drängende Frage, wie es denn sein könne, dass jemand all dies dokumentieren könne antwortet Alxiandria Fazzina: 'Ich habe ihrem Anführer einfach gesagt: "Ihr traut mir nicht, ich traue euch nicht." Und das fanden die irgendwie gut.' Weitere atemberaubende Reportagen, unter anderem von Mathieu von Rohr und Mikhail Galustov, garantieren das diese Reihe weiter den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Ich werde noch oft durch dieses Buch blättern und ein Jahr Revue passieren lassen, in dem an viel zu vielen Orten die Freiheit zur Geisel von Macht und Gier geworden ist.

Die Reporter ohne Grenzen [*] setzen sich seit 1985 für weltweit für das Recht auf freie Informationen ein. Mit dem Kauf dieses Bandes finanziert ihr medizinische Hilfe, Anwaltskosten und Öffentlichkeitsarbeit für verfolgte Journalistinnen und Journalisten. Also entweder gleich hier konsumieren oder im Buchladen eures Vertrauens.

und nun die werbung:

21 Juni 2010

szene: Sergey Bratkov - Heldenzeiten

(c) sergey bratkovSergey Bratkov
HELDENZEITEN

zeitraum: 18.06.2010 - 29.08.2010
location: haus der photographie,
deichtorstraße 1-2, 20095 hamburg

details: deichtorhallen.de

Die Passion des Schreibers für die russische Seele und insbesondere ihren Ausdruck in der Kunst soll kein Geheimnis sein. Nicolai Lilin bezeichnete in seinem phänomenalen Roman 'Sibirische Erziehung' [*] die russische Tätowierkunst, als eine stumme Sprache. Bilder sprechen zu ihren Betrachtern. Neben den fotografischen Arbeiten von Boris Mikhailov [*] sollte man einen genauen Blick auf Sergey Bratkovs Werk werfen. In Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur widmet ihm das Haus der Photographie in Hamburg zur Zeit eine Werkschau. Knapp 130 Bilder umfassend, vermittelt die Ausstellung einen guten Eindruck von dem, was wir als postsowjetische Realität bezeichnen können.

Die Motive des 1960 im ukrainischen Kharkov geborenen Fotografen sind ausnahmslos von sozialkritischen Essenzen durchzogen. Seit den ersten Ausstellungen 1987 in seiner Heimatstadt, sowie Cheb und Tel Aviv hat er sich international etabliert. Besonders prägend muss die Zusammenarbeit mit Boris Mikhailov gewesen sein, denn ebenso wie er kennt Bratkov bei seinen Porträts keine Tabus. Sie sind eine schonungslose Dokumentation der russischen Realität seit 1990. Protagonisten des Alltags werden in einer außerordentlich sehenswerten Ausstellung zu (Anti)Helden. Aufnahmen von klebstoffabhängigen Straßenkindern, ehemaligen Seeleuten und Sekräterinnen in eindeutigen Posen stellen unser Empfinden von Ästhetik oft auf die Probe, doch erlauben sie auch einen unverstellten Blick auf das was wirklich ist. Sozialer Realismus, bei dem jedoch das poetische Grundrauschen nicht zu verleugnen ist.

und nun die werbung:

23 Mai 2010

szene: Jim Rakete - Vertraute Fremde

jim raketeJim Rakete
VERTRAUTE FREMDE

zeitraum: 12.03.2010 - 05.06.2010
location: galerie hilaneh von kories,
stresemannstraße 384a, 22761 hamburg

details: galeriehilanehvonkories.de

Ein wenig abseits in einem Hof, an der vielbefahrenen Stresemannstraße in Hamburg, findet man die Galerie Hilaneh von Kories. Seit Mitte März darf hier von Dienstag bis Freitag (14-19 Uhr) eine Serie des Fotografen Jim Rakete betrachtet werden. Für Vertraute Fremde ist er 2007 durch die ganze Bundesrepublik gereist. Die abgelichteten Gesichter kennt man - vielleicht sind die zu den dazugehörigen Namen nicht gleich präsent, aber man kennt sie eben, wie man so schön sagt, vom Sehen. Prominente, Berühmtheiten, Künstler, Politiker - kurz, es handelt sich um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Jim Rakete hat sie fotografiert und ist dafür mit einer alten Linhof-Plattenkamera zu Werke gegangen. In der Ausstellung finden sich unter anderem Motive von Moritz Bleibtreu, Helmut Schmidt und Christoph Waltz. Kein Styling, kein Make Up und ohne digitale Nachbearbeitung sind Porträts entstanden, deren Bildsprache beeindruckt. Ist das traditionelle und echte Fotografie? Hat sich Jim Rakete auf einem Feld bewegt, dass zukünftig kaum noch betreten werden wird? Silberfotografie - Quo vadis? Üben wir uns nicht in Pessimismus, sondern besuchen wir die Ausstellung, die noch bis Anfang kommenden Monats geöffnet ist.

Am fünften Juni ist die Ausstellung im Rahmen der Fotobuchtage 2010 [*] zusätzlich von 15 - 20 Uhr geöffnet.

und nun die werbung:

04 Mai 2010

szene: gute aussichten 2009 / 2010

gute aussichtengute aussichten 2009 / 2010
JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE

zeitraum: 29.04.2010 - 30.05.2010
location: haus der photographie,
deichtorstraße 1-2, 20095 hamburg

details: guteaussichten.org

Es war und ist eine der Grundüberzeugungen von Josefine Raab, dass junge Künstler öffentlichkeitswirksam unterstützt werden soll. So entstand wohl auch 2004 die Idee zum Projekt gute aussichten. Als Urgestein unter den Förderern darf man den Hamburger Ingo Taubhorn bezeichnen, dem es auch dieses Jahr maßgeblich zu verdanken ist, dass im Haus der Photographie, Deichtorhallen, die Ausstellung zu sehen ist. Wir möchten euch dringendst ans Herz legen, einen eurer Nachmittage damit zu zubringen, die Werke der acht diesjährigen Talente zu bestaunen. Vertreten sind Georg Brückmann, Philipp Dorl, Sonja Kälberer, Ute Klein , Ingo Mittelstaedt, Monna Mönnig, Shigeru Takato und Anna Simone Wallinger. Zu sehen sind 159 einzelne Motive, 104 Bilder, zwei Diaprojektionen, zwei DVDs, zwei Bücher, einen Container sowie verschiedene Displays. Grund genug, oder nicht?

Letztlich sei der 20.05.2010 noch explizit erwähnt. gute aussichten im Haus der Photographie wird literarisch. Für einen Kostenbeitrag von EUR 12,00 (erm. EUR 9,00) könnt ihr euch erst die Ausstellung und gleich darauf eine Lesung mit Wolfgang Frömberg gönnen. Der 1973 in Köln geborene Autor liest aus seinem Debütroman 'Spucke', mit dem er an die Spex vor Berlin erinnert und irgendwie ein wunderbares Stück Popliteratur geschaffen hat. Einen kleinen weitergehenden Eindruck erfahrt ihr über den gewohnten Link gleich im Anschluss und am zwanzigsten Mai darf ab Herrn Frömberg ab 19 Uhr in den Deichtorhallen zugehört werden.

medientipps:

17 Februar 2010

buch: Destroy Rankin

cover rankinDestroy Rankin
Design by Gerard Saint / Big Active
EAN 9783899552805 / 176 Seiten (inkl. DVD)
Gestalten / 44,00 Euro

Ein Buch, das Rankins großartige Arbeiten in ein völlig neues Licht rückt

Schon im November vergangenen Jahres ist dieser Band in die Regale der Buchläden mit Sinn für Ästhetik gewandert. Wer es einmal in der Hand hatte, wird sich schwer tun, es wieder wegzulegen. Jedenfalls bevor es daheim auf dem Schreibtisch liegt. Schon der Einband ist ein haptisches Erlebnis.

Für Destroy hat der britische Fotograf (Portrait / Fashion) siebzig weltbekannte Künstler angefragt - darunter U2, The Gossip oder Basement Jaxx. Herausgekommen ist ein Feuerwerk der Farben, Formen und Fantasie. Auf Basis seiner Porträts forderte Rankin auf, dass sich die Künstler der Selbstreflexion hingeben und seine Motive verfremden. So erhalten wir als Betrachter völlig neue Einblicke - unter die Oberfläche der ursprünglichen Fotos und, so darf man durchaus annehmen, auch ins Seelenleben der Artists. Ein paar Impressionen gibt es auf der höchstoffiziellen Seite des Fotografen zu bestaunen. [*]

Das reicht noch nicht, um zu überzeugen? Das Buchrelease kann noch mit einem Gimmick aufwarten. Dem Band liegt eine DVD bei, auf der eine 30minütige Dokumentation mit behind-the-scenes Aufnahmen zu bewundern ist. Das ganze für glatte 44,- Euro? Wer mag sich jetzt noch beschweren?

medientipps:

08 Februar 2010

buch: Facehunter - Die Straße als Catwalk

cover rodicYvan Rodic / Facehunter
Die Straße als Catwalk
Prestel / 19,95 Euro

Digital ist eben nicht alles und wenn alle digitalisieren, sich über iPad und Augumented Reality unterhalten, dann sollte man nur eins tun: Bücher machen und Bücher konsumieren. Kulturkonsum tut gut und die haptische Komponente ist nicht zu unterschätzen. Ich will schöne Bücher im Regal und am 17. Februar erscheint ein solches ...

Yvan Rodic ist einer der wichtigsten und erfolgreichsten Fashionblogger. Als Facehunter [*] veröffentlicht er nahezu täglich Fotos von der Straße. Ganz im Stile von Scott Schuman ist er damit erfolgreich geworden die hippen und schönen Menschen zu finden, zu knipsen und dabei die Streu vom Weizen zu trennen.

Rodic hat dieses Auge und im jetzt vorliegenden Band von Thames & Hudson versammelt er mehr als 300 Motive. Eine deutsche Ausgabe erscheint in wenigen Tagen bei Prestel und ist ab sofort vorbestellbar - entweder direkt über uns oder beim Buchladen deines Vertrauens.

medientipps:

04 November 2009

media: Just A Moment Please!

screen justamomentjust a moment please!
100 seconds. 1 story.

web. andreasherzau.de
heads. A. Herzau, J. Thiele
location. Hamburg

Vor wenigen Wochen im Oktober haben wir an dieser Stelle bereits auf den tollen NYC-Bildband von Andreas Herzau hingewiesen. Jetzt bewegen wir uns in Sachen Fotografie für ein paar Minuten abseits vom Buchregal - es wird digital!

Gemeinsam mit Lukas Thiele wurde ein kleines Format für das Internet realisiert. Der Name des Projekts: Just A Moment Please! - 100 seconds. 1 story. In 100 Sekunden wird ein Motiv präsentiert. Ja, und da es nicht um die Urlaubsschnappschüsse von Onkel Heinz geht, die bisweilen sicher reizvoll sind, sondern um großartige Fotografie erzählen diese Motive eine Geschichte. Mit filmischen Mitteln und einem kurzen, knappen Text erfahren wir etwas über das jeweilige Bild, die Entstehungsgeschichte oder den thematischen Kontext.

Bis dato sind zwei Episoden freigeschaltet. Weitere werden mit etwas zeitlichem Abstand folgen. Beide Clips könnt ihr über folgende Links direkt genießen:
Episode #01 - Nazis Don't Kiss
Episode #02 - Beetween Neighbours

medientipps:

10 Oktober 2009

buch: Andreas Herzau / New York ...

cover new york cityAndreas Herzau / New York City
Davor, Danach, Dabei
138 Seiten / 09/2003
Edition Braus / 45,- Euro

Tausendfach abfotografiert, doch Andreas Herzau lässt uns NYC neu entdecken.

Er ist ein bekannter Reportage-Fotograf, gilt zu Recht als Meister der Street Photography. Der in Hamburg lebende Fotograf Andreas Herzau legte 2003 einen bis dato einzigartigen Bildband über New York City vor - eine Stadt die niemals schläft. So muss es auch Herzau gegangen sein. Das Fotoprojekt begann 2000 während eines Aufenthalts in der Stadt. Er sagt, er habe nicht schlafen können. Die Motive sind Schnappschüsse - wirken und sind nicht gesucht. Beim Schlendern durch die Metropole an der Ostküste entstanden so Schwarzweiß- und Farbaufnahmen, die mich beim Betrachten sofort in den Bann gezogen haben.

Es sind teils Fragmente, die Herzau in den Mittelpunkt stellt. Verschwommen, expressiv und den Fokus ganz abseits vom den tausenfach gesehenen Spektakel. Seine am am Detail orientierte Fotografie erschließt sich dem Betrachter nicht auf den ersten Blick. Man muss mitgehen, statt zu erwarten, dass vorgekaut wird. Deshalb und weil Andreas Herzaus bisheriges Gesamtwerk bewundernswert ist, gehört dieser Bildband in die Hände all derer, die sich für Fotografie fasznieren können und wollen.

medientipps:

25 März 2009

buch: Iranian Photography Now

cover kaganIranian Photography Now
Hrsg. Rose Issa, 236 Seiten, 189 Abb.
Hatje Cantz / 39,80 Euro

Dieser Bildband lässt die iranischen Fotokünstler zu Wort kommen - "unverschleiert" und innovativ.

Fällt das Schlagwort Iran in den heutigen Tagen, dann geht es meistens um die mutmaßlichen Bestrebungen der Regierung in die Riege der Atommächte aufzusteigen. Es geht um die Leugnung des Holocaust, um die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung oder um Rohstoffreserven. Schon der Roman "Softcore" von Tirdad Zolghadr, hat deutlich gemacht, dass es auch anders gehen muss.

Der Hatje Cantz Verlag hat einen Fotoband auf den Markt gebracht, der 36 Fotografen das Forum bietet, ihre Werke zu präsentieren. Darunter sind auch die bekanntesten zeitgenössischen Fotokünstler wie Reza Aramesh, Shirin Neshat, Parastou Forouhar, Abbas Kiarostami, Kaveh Golestan, Amirali Ghasemi und Shadi Ghadirian. Neben großartigen Aufnahmen, die von einem innovativen Widerstandsgeist zeugen, bietet der Band auch Statements der Künstler zu persönlichem Werdegang und den Arbeiten.

Das Buch ist ein Spiegel der iranischen Seele - ob unterdrückt oder nicht. Poetisch, realistisch, ironisch und aufrüttelnd. Ein Land, in dem das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei knapp 25 Jahren liegt und der Wissensdurst kaum stillbar ist, hat in den letzten Jahren trotz innerer Repression und internationaler Sanktionen, großartige Männer und Frauen hervorgebracht, die uns mit ihren Fotos das berichten, was keine Pressemeldung in Worte fassen kann.


medientipps:

28 April 2008

buch: Alison Jackson Confidential

cover alison jackson confindetialAlison Jackson Confidential
What you see in this
book is not "real"

Taschen Deutschland / 29,99 Euro

Die britische Fotografin und Videokünstlerin hat einen einmaligen Bildband vorgelegt.

Die Königin von England beim Toilettengang, Mick Jagger und eine Spritze Botox oder George W. Bush und Tony Blair beim Saunabesuch. Grandiose Fotos hat die bekannte Künstlerin Alison Jackson in diesem kuriosen Bildband versammelt, aber so unterschiedlich die abgelichteten Personen auch sind, so haben sie doch alle eine Gemeinsamkeit: Sie sind nicht echt! Jackson hat Doppelgänger prominenter Menschen in besonders provokanten Posen eingefangen und schafft es uns das sehen zu lassen, was wir sehen wollen. Die Debatten um ihre aufwändige Arbeit sind kontrovers geführt worden, denn viele der Promis fühlen sich trotz der "Fälschungen" in ihrer Privatsphäre verletzt.

In Deutschland ist der Titel im Taschen Verlag erschienen. Die gewohnt gute Qualität des Einbands wird durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ergänzt. Einziges und verschmerzbares Manko: Wir müssen auf Hochglanzpapier verzichten.

medientipps: