27 September 2010

media: Flare

flareFLARE
web. flaremag.de
head. timo nowack
since. 2007
location. leipzig

Professionelle und selbsternannte Fotografen, beliebige und besondere Motive, fotospezifische Magazine und Websites gibt es wie Sand am Meer (weshalb nicht Wüste sagen?) - soweit, so klar.

Flare ist eins dieser Magazine, dass jedoch für meinen Geschmack besondere Erwähnung verdient hat. Kontinuierlich wählen Timo Nowack und Consorten für flaremag.de besonders schöne Bilder und erzählenswerte Stories aus, um sie mit uns Mitmenschen zu teilen. Der nicht-deutschsprachige Leser soll nicht enttäuscht werden, oder auf die eher suboptimalen Dienste von Google Translate zurückgreifen müssen - eine Auswahl der Artikel schnappt sich Rieke Havertz zur Übersetzung für flaremag.com ins Englische.

Für äußerst lesenswert halte ich übrigens, dass Interview mit dem Fotografen Richard Renaldi. Für sein Projekt 'Touching Strangers' hat er sich gänzlich fremde Menschen auf der Straße zusammen abgelichtet. Tolles Projekt, tolles Interview mit einer Auswahl der Gruppenporträts [*] und alles in allem eine tolle Seite.

21 September 2010

buch: Jon Ronson / Radikal

cover jon ronson radikalJon Ronson / Radikal
Abenteuer mit Extremisten
aus dem Amerikanischen von Martin Jaeggi
EAN 9783905801019 / 288 Seiten
Salis (2007) / 24,90 Euro

Jon Ronson zeigt, dass Wahnsinn und Wahrheit Zimmergenossen sein könnten

Ja, der Autor des vorliegenden Buches ist auch der mit den starrenden Männern und den Ziegen - seiner literarischen Vorlage verdanken wir diesen skurrilen Film. Radikal kam davor, genauer noch im Sommer 2001, auf den US-amerikanischen Buchmarkt und wurde mit einem Schlag zum Bestseller. Noch lange vor 9/11 oder der ultrakonservativen Tea Party - Bewegung, hat sich Jon Ronson mit Menschen getroffen, die uns durchaus unheimlich sein dürften. Islamistische Hassprediger, christlich-fundamentalistische Waffennarren oder Ku-Klux-Klan Anhänger - das bunte Konglomerat an fanatischen Charakteren füllt seitenweise Reportagen. Alle haben eins gemeinsam: Ihren unerschütterlichen Glauben an die Macht der Bilderberger, des CFR und Bohemian Clubs oder der Trilateralen Kommission.

Jon Ronson selbst schreibt, dass er drohte diesem Wahn von Recherche zu Recherche mehr Glauben zu schenken. Doch wo verschwimmt die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit? An der nötigen Objektivität, um sich dieser Frage ernsthaft stellen zu können, mangelt es dem Autor an keiner Stelle. Der durchweg unterhaltsame Stil des Buches, dass im unabhängigen Schweizer Salis . Verlag auf Deutsch erschienen ist, lässt Platz für freie Gedanken. Da wird nicht durch den Kakao gezogen und jede Tür zugemacht, hinter der mehr lauern könnte, als die absolut politisch korrekte Interpretation einiger politischer Vorgänge.

Erwähnenswert ist, dass dieses Buch nicht nur sehr schick daherkommt, sondern auch ein etwas größeres Format hat. Nicht nur inhaltlich gut, es macht sich in deinem Buchregal auch noch gut. Wäre das doch noch viel öfter so ...

und nun die werbung:

08 September 2010

buch: Yishai Sarid / Limassol

cover yishai sarid limassolYishai Sarid / Limassol
aus dem Hebräischen von Helene Seidler
EAN 9783036955544 / 240 Seiten
Kein & Aber (2010) / 16,90 Euro

Ein namenloser Geheimdienstler und viele Wahrheiten in einem ewigen Konflikt

Der Schrifsteller Yishai Sarid lebt in Tel Aviv. Er diente viele Jahre als Nachrichtenoffizier für die israelische Armee, hernach studierte er in Harvard, arbeitete in Israel als Staatsanwalt und ist heute als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt tätig. Kurz - er weiß wovon er schreibt, wenn er einen Mann des Schabak auf die Jagd schickt. Sein zweites Buch ist in diesem Frühjahr im Schweizer Verlag Kein & Aber erschienen und gehört mit für mich zu einem der Besten seines Genres. Limassol ist jedoch nicht nur ein Politthriller, wie man schnell spürt.

Getarnt als erfolgreicher Investmentbanker, mit einer aufflammenden Passion für die Künste des Schreibens, soll der namenlose Geheimdienstler sich der Schrifstellerin Daphna annehmen. Mit ihrer Hilfe muss er Kontakt zum schwerkranken Dichter Hani im Gazastreifen herstellen. Dessen Sohn wird vom israelischen Inlandsgeheimdienst verdächtigt als Führungsmitglied der Hisbollah schwere Anschläge in Israel zu planen.

Was anfangs als recht klares Unterfangen erscheint und unseren Helden zu langweilen beginnt, entpuppt sich als Vexierspiel mit lauter Unbekannten. Ein toter Verdächtiger, bei einem außer Kontrolle geratenen Verhör, innerfamiliäre Konflikte, der drogenabhängige Sohn der schönen Daphna und das unberechenbare Spiel der Liebe ziehen den Geheimdienstler immer tiefer in einen Strudel, der den Leser bis zu einem fulminante Showdown im zypriotischen Limassol nicht mehr loslässt.

medientipps: