13 Juli 2009

film: Gran Torino

cover gran torinoGran Torino
originaltitel: Gran Torino (2008)
regie: Clint Eastwood
cast: Clint Eastwood, Bee Vang, Ahney Her ..
vö deutschland: 07/2009, fsk 12

Ein Film von und mit Clint Eastwood, der besser nicht sein könnte.

Schon die Tatsache, dass Clint Eastwood sowohl als Regisseur und Hauptdarsteller verantwortlich gezeichnet hat, garantiert höchste Qualität für diesen Film. Kaum stand er in der Videothek unseres Vertrauens, wurde er ausgeliehen. Beamer an, Füsse hochgelegt und ein Glas Bitter Lemon mit Eiswürfeln - schon gings los. Alle Vorschusslorbeeren waren berechtigt.

Walt Kowalski ist Koreakriegsveteran und ehemaliger Mitarbeiter eines Ford-Werks. Nebenher ist sein Weltbild von rassistischen Vorurteilen gezeichnet und im Vordergrund seines Lebens stehen Disziplin und Ordnung. Als seine geliebte Frau stirbt und er immer mehr feststellt, dass ihm seine Familie nicht das Gefühl gibt, dass Familie einem geben sollte, zieht er sich immer mehr zurück.

In der Vorstadtsiedlung, aus der die alten Einwohner sich zurückgezogen haben, fühlt er sich in einer Art Kriegszustand - umgeben von "Schlitzaugen" und verkommenen Grundstücken. Als der Nachbarsjunge Thao im Rahmen einer Mutprobe für eine Straßengang der Hmong versucht Kowalskis 72er Ford Gran Torino Sport zu stehlen, eskaliert die Situation. Der verbitterte alte Herr muss sich umorientieren und es scheint, dass er eine völlig neue Seite an sich entdecken wird.

Vom American Film Institute wurde Gran Torino völlig zu Recht, als einer der 10 besten Filme 2008 ausgezeichnet.


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12 Juli 2009

buch: Jens Johler / Kritik der mörderischen...

cover johlerJens Johler / Kritik der mörderischen Vernunft
Originalausgabe, 544 Seiten
Ullstein Verlag / 9,95 Euro

Es lässt sich die Frage stellen: Wie viel Fiktion enthält dieser Roman?!

Bis dato gibt es zwei Romane an denen Jens Johler federführend mitgewirkt hat. "Das falsche Rot der Rose" und "Gottes Gehirn". Beide habe ich mit großer Begeisterung gelesen, beide sind leider nur noch gebraucht zu erstehen. Nun ist der Autor bei Ullstein gelandet und hat einen dritten Thriller veröffentlicht, der seinen Vorgängern in Nichts nachsteht.

Dr. Richard Troller, seines Zeichens Wissenschaftsjournalist und Buchautor, erhält kryptische Mails. Der Absender nennt sich "Kant" und droht damit Morde zu begehen. Seine Opfer, so stellt sich schnell heraus, sind führende Hirnforscher. Der erste Tote wird in einem Primatenstuhl fixiert aufgefunden. Am Tatort wird ein Plakat aufgefunden. "§1 - In den Tierversuchen zeigt die Hirnforschung ihr wahres Gesicht. Die Beherrschung des Affenhirns ist nur die Vorstufe zur Beherrschung des Menschengehirns. – Kant" Dies ist ein Zitat aus Trollers veröffentlichtem, jedoch gefloppten Buch "Terror der Wissenschaft". Es scheint, dass der Mörder eine Botschaft für den Wissenschaftsjournalisten hat.

Gemeinsam mit seiner quasi-Lebensgefährtin Jane Anderson, die ebenfalls im Dienste des Magazins "Fazit" steht, macht er sich daran, auf die Spur des mysteriösen Serienmörders zu kommen, der sich scheinbar sowohl im Erbe des großen Philosophen Kants, als auch des Unabombers Ted Kaczynski sieht. Im Laufe ihrer Ermittlungen scheint den beiden Journalisten ein undurchdurchschaubares Netz aus Geheimdiensten, multinationalen Konzernen und Wissenschaftlern einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen.

Was sich zu Beginn wie ein klassischer Thriller liest, wird im Laufe der Lektüre zu einer Geschichte die viele non-fiktionale Anleihen offenbart. Neben Verweisen auf das geheime Regierungsprogramm MK Ultra, das Projekt "Deckname Artischocke" oder die Ideen eines Cecil Rhodes, bietet Jens Johler dem Leser die Möglichkeit sich selbst zu fragen, inwieweit man auf der Seite eines Mörders stehen darf. Die spannende Jagd auf einen Mörder wird hier gepaart mit anspruchsvollen Fragen nach dem freien Willen des Menschen und der ethischen Vertretbarkeit von Tier- und Menschenversuchen.
Dieses Buch ist eine mehr als gelungene Rückkehr Johlers und lässt auf mehr hoffen.

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06 Juli 2009

szene: on air im netz - yoomee.tv

logo yoomeeon air im netz - yoomee.tv
yoomee.tv - Internet-Fernsehen
web. yoomee.tv
founder. Marcel Lichter
since. 2007
location. Hamburg

Es gibt kaum noch Internetbenutzer, die nicht über eine hohe Brandbreite verfügen. Die Provider warten mit immer neuen Highspeed-Angeboten auf und im gleichen Zug steigt die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten im Netz. Die Angebote von youtube.com oder myspace.com kombinieren das klassische Web2.0 mit der Option die eigenen Videos hochzuladen und rasend schnell im Netz bekannt zu machen. Die großen Onlinemagazine, wie spiegel-online oder faz.net ergänzen ihren Content durch Videos - teilweise wurden eigene Redaktionen gegründet. Textliche Bleiwüsten haben ihren Reiz verloren, der Fortschritt verlangt audiovisuellen Content.

yoomee.tv ist kein SocialNetwork im klassischen Sinne und kein Hoster für Content dritter Personen - wohlgemerkt: noch nicht. Gleichwohl bietet diese Seite klassisches Internetfersehen in hoher Qualität. Ein Merkmal, dass auf viele Seiten wie clipfish oder myvideo nicht zutrifft. Dort gilt eher das Prinzip Quanität vor Qualität.
Durch die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen schafft yoomee.tv eine gelungene Melange aus Kultur, Unterhaltung und eigenen speziellen Formaten ins Netz zu stellen - das ganze 24Stunden am Tag.

Die yoomee.tv Talkshow, moderiert von yoomee.tv Gründer Marcel Lichter, läuft auf Rotation. Um 10, 16 und 22 Uhr jeden Tag. Wöchentlich werden hier Menschen eingeladen, um ihre Geschichte zu erzählen. Schriftsteller, Musiker oder Unternehmer. Jede Woche gibt es einen Buchtipp der Buchhandlung stories! und Veranstaltungstipps für das Wochenende. Die einstündige Talkshow wird Dienstags live um 20Uhr bei tide.tv ausgestrahlt. Reinschauen lohnt sich!

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29 Juni 2009

buch: Matias Faldbakken / Unfun

cover faldbakkenMatias Faldbakken / Unfun
Skandinavische Misanthropie III
aus dem Norwegischen von Max Stadler
Blumenbar Verlag / 19,90 Euro

Der negativste Autor der Gegenwartsliteratur vollendet seine Trilogie.

Die "Skandinavische Misanthropie" von Matias Faldbakken findet mit dem Roman Unfun einen Abschluss. Wieder bleibt der Norweger seinen Prinzipien treu und verbindet eine fundamentale Kritik an der postmodernen Gesellschaft mit seiner bekannten Tabulosigkeit und Negativität.

Protagonisten des Romans sind Lucy, ihr Ex-Mann Slaktus und deren ziemlich missratenen Söhne Atal und Wataman. Erstere ist eine anarchistische Norwegerin mit afrikanischen Wurzeln. Sie ist die fast unfreiwillige Heldin des Roman - alleine dieser Umstand ist bei Faldbakken eine Premiere. Eine Frau im Vordergrund seiner Story. Für Slaktus schafft er einen völlig neuen Begriff samt schlüssiger Definition: Gewaltintellektualismus. Slaktus ist übertrainiert, übermäßig solariumgebräunt und hat einen unmöglichen blonden Pony. Seine Gewaltausbrüche hat er nur dank stetiger Besuche bei einem Therapeuten unter Kontrolle. Zu allem Überfluss ist er hochintelligent - er führt Teile des Briefwechsels zwischen Freud und Einstein sinnhaft fort.
Sein erklärtes Ziel ist es das Slasher-Online-Rollenspiel "Deathbox" zu realisieren.

Im Mittelpunkt dabei seine eigene Familie oder, dass was man einst so nannte. "Unfun" ist harter Tobak und Faldbakken brilliert mit einer Geschichte zwischen feministischer Theorie, harscher Gesellschaftskritik, moralischen Abgründen und klassischen Slasher-Elementen.

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02 Juni 2009

buch: Boris Palmer / EIne Stadt macht blau

cover palmerBoris Palmer / Eine Stadt macht blau
Politik im Klimawandel - das Tübinger Modell
mit einem Vorwort von Joschka Fischer
KiWi Verlag / 8,95 Euro

Ein Buch mit Vorbildcharakter, frei nach dem Motto: Global Denken, lokal Handeln.

Tübigen gilt schon seit langer Zeit als Studentenstadt, doch seit 2006 auch als Vorreiter in Sachen Klimapolitik. Als sich der 34jährige OB-Kandidat Boris Palmer im ersten Wahlgang gegen die Amtsinhaberin durchsetzte, war klar, dass Tübigen fortan nicht mehr nur eine Alibipolitik in Sachen Klimaschutz machen würde. Der Grünen-Politiker hatte sich entgegen aller Empfehlungen für den Wahlkampf mit Schwerpunkt "Öko-Themen" entschieden. Dieses Profil hat ihm überraschenderweise sogar im bürgerlichen Lager wichtige Stimmen gesichtert.

Sein nun erschienenes Buch adaptiert den Namen der Klimakampagne "Eine Stadt macht blau". Palmer nimmt den Leser bei der Hand und führt ihn durch ein wahrlich komplexes Thema, dessen Allgegenwart bisweilen für Verdruss sorgen kann. Es wäre vermessen, wenn man Boris Palmer mit Al Gore in einen Topf wirft. Persönlich war mir die Hollywood-Inszenierung des US-Amerikaners bisweilen zu viel Römpömpöm voller Allgemeinplätze. Der Tübinger Bürgermeister schafft es auf charmante und frische Art und Weise eine Warnung für unsere Gesellschaft zu formulieren und Lösungsvorschläge für Kommunen und Städte zu machen. Besonders vorteilhaft: Er redet als Praktiker und kann Ergebnisse präsentieren die uns Staunen lassen. Die Reduktion des CO2-Ausstoß wurde forciert, ohne bei sich selbst zu sparen. Im "Ländle" entschied sich Palmer vom Dienst-Mercedes auf den umweltschonenden Toyota Primus umzusteigen bzw. das Projekt "TeilAuto" zu nutzen - ein gewagter Ansatz.

Letztlich zieht man aus dem Tübigener Modell viele wertvolle Informationen und Anregungen, die dieses Buch zu einer wichtigen Lektüre machen. Damit wir und unsere Kinder sich auch in der Zukunft über einen blauen Himmel und viel, viel Sonnenschein freuen können.

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