12 Juli 2009

buch: Jens Johler / Kritik der mörderischen...

cover johlerJens Johler / Kritik der mörderischen Vernunft
Originalausgabe, 544 Seiten
Ullstein Verlag / 9,95 Euro

Es lässt sich die Frage stellen: Wie viel Fiktion enthält dieser Roman?!

Bis dato gibt es zwei Romane an denen Jens Johler federführend mitgewirkt hat. "Das falsche Rot der Rose" und "Gottes Gehirn". Beide habe ich mit großer Begeisterung gelesen, beide sind leider nur noch gebraucht zu erstehen. Nun ist der Autor bei Ullstein gelandet und hat einen dritten Thriller veröffentlicht, der seinen Vorgängern in Nichts nachsteht.

Dr. Richard Troller, seines Zeichens Wissenschaftsjournalist und Buchautor, erhält kryptische Mails. Der Absender nennt sich "Kant" und droht damit Morde zu begehen. Seine Opfer, so stellt sich schnell heraus, sind führende Hirnforscher. Der erste Tote wird in einem Primatenstuhl fixiert aufgefunden. Am Tatort wird ein Plakat aufgefunden. "§1 - In den Tierversuchen zeigt die Hirnforschung ihr wahres Gesicht. Die Beherrschung des Affenhirns ist nur die Vorstufe zur Beherrschung des Menschengehirns. – Kant" Dies ist ein Zitat aus Trollers veröffentlichtem, jedoch gefloppten Buch "Terror der Wissenschaft". Es scheint, dass der Mörder eine Botschaft für den Wissenschaftsjournalisten hat.

Gemeinsam mit seiner quasi-Lebensgefährtin Jane Anderson, die ebenfalls im Dienste des Magazins "Fazit" steht, macht er sich daran, auf die Spur des mysteriösen Serienmörders zu kommen, der sich scheinbar sowohl im Erbe des großen Philosophen Kants, als auch des Unabombers Ted Kaczynski sieht. Im Laufe ihrer Ermittlungen scheint den beiden Journalisten ein undurchdurchschaubares Netz aus Geheimdiensten, multinationalen Konzernen und Wissenschaftlern einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen.

Was sich zu Beginn wie ein klassischer Thriller liest, wird im Laufe der Lektüre zu einer Geschichte die viele non-fiktionale Anleihen offenbart. Neben Verweisen auf das geheime Regierungsprogramm MK Ultra, das Projekt "Deckname Artischocke" oder die Ideen eines Cecil Rhodes, bietet Jens Johler dem Leser die Möglichkeit sich selbst zu fragen, inwieweit man auf der Seite eines Mörders stehen darf. Die spannende Jagd auf einen Mörder wird hier gepaart mit anspruchsvollen Fragen nach dem freien Willen des Menschen und der ethischen Vertretbarkeit von Tier- und Menschenversuchen.
Dieses Buch ist eine mehr als gelungene Rückkehr Johlers und lässt auf mehr hoffen.

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