21 Januar 2009

film: Standard Operating Procedure

cover standard operating procedureStandard Operating Procedure
originaltitel: Standard Operating Procedure (2008)
regie: Errol Morris
fsk: 18, laufzeit: 118min
vö deutschland: 01/2009

Kann ein Foto die Welt verändern?

Im Gefängnis Abu Ghraib ereignete sich 2003 einer der größten Folterskandale der US-Geschichte. Möglicherweise wäre es nie zu gezielten Ermittlungen gekommen oder wären die Vorfälle nie öffentlich diskutiert worden, wenn nicht Beweisfotos das Ausmaß der Folterungen aufgedeckt hätten. Sie haben den Verlauf des Irak-Kriegs beeinflußt und den Ruf der USA weltweit nachhaltig geschädigt.

Der Regisseur Errol Morris versucht mit seiner Dokumentation Standard Operating Procedure die Geschichte zu erzählen, die zu diesen Bildern und Taten führten. Er führte dazu Interviews mit Beteiligten, darunter zum Beispiel Lynndie England. Die absolute Objektivität der Produktion macht es einem manchmal schwer dem Film zu folgen ohne auf die Sofalehne zu schlagen oder einfach wegzusehen. Eine Geißelung der Täter findet nicht statt.

Der mutmaßliche Rädelsführer Charles Garner leistet seine zehnjährige Haftstrafe ab. Kein Militärangehöriger höheren Ranges als dem des Sergants wurde verurteilt. Umfangreiche Vertuschungsaktionen nach Bekanntwerden der Vorfälle erschwerten Ermittlungen. Wo beginnt Folter und wann handelt es sich um "Standard Operating Procedure"? Was bedeutet es, wenn man einen Verdächtigen "weich klopfen" soll?

Lynndie England behauptet von sich blind vor Liebe zu Charles Garner gewesen zu sein. Es ist erschreckend, wie sehr sie die eigene Verantwortung für die Mittäterschaft abwälzen will, darauf pocht ihr Leben weiterleben zu wollen und nicht einmal im Laufe des Filmes Reue oder Mitgefühl für die Opfer zeigt. Ein Wort der Entschuldigung fällt nicht. Das macht die Unerträglichkeit des Gesamtbildes aus, dass diese Dokumentation zeigt. Absolut sehenswert, aber garantiert keine DVD für schwache Gemüter. Die gezeigten Aufnahmen sind explizit, die nachgestellten Szenen und der Soundtrack von Danny Elfman runden das Bild ab. Eine im wahrsten Sinne des Wortes amtemberaubende Produktion.


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