MIKE FRIEDRICH - DIMENSIONS
zeitraum: 18.12.2010 - 24.12.2010
location: neonchocolate gallery,
lychener straße 23, 10437 berlin
details: neonchocolate.de
Mitten in der absolut überflüssigen, doch allgegenwärtigen Hektik der Vorweihnachtszeit, blätterte ich heute durch das Buch 'TORSO / T-Shirt Graphics Exposed'. Ich blieb hier und da hängen. Doch gerade die Entwürfe von Mike Friedrich haben es mir angetan. Klar, dass man dann mal guckt was da noch so geht. Meinen Geschmack trifft die verdrehte, düstere und spielerische Art seiner Kunst. So kann es kein Zufall sein, dass ich gerade den Hinweis auf ein Event lese, bei dem dieser Herr die zentrale Rolle spielen wird. Am 18. Dezember findet in der Neon Chocolate Galerie in Berlin Mitte die Vernissage zu Friedrichs Ausstellung 'Dimensions' statt. Das bedeutet ein paar seiner neuen Entwürfe, Mixed Media Paintings, ein bisschen Kunst mit dem Marker und Illustrationen, neben Bier und Dubstep Beats.
Thematisch liegt der Schwerpunkt bei seinem Zyklus 'Dimensions', so schreibt die Galerie, darauf, wie unterschiedlich wir Gegenständliches wahrnehmen. Formen, Farben, Muster. Seine persönliche Interpretation der heutigen bildlichen Informationsflut können geneigte Leser eine Woche lang in der Lychener Straße bestaunen.
Ganz nebenher ist der oben erwähnte Band aus dem GESTALTEN Verlag äußerst empfehlenswert. Reingucken.
medientipps:
14 Dezember 2010
szene: Mike Friedrich - Dimensions
12 Dezember 2010
buch: Rainald Goetz / elfter september 2010
Rainald Goetz / elfter september 2010
Bilder eines Jahrzehnts
EAN 9783518422076 / 224 Seiten
Suhrkamp (2010) / 34,90 Euro
Die Nuller. Fotos. Feine Worte. Viel Berlin. Aber nicht nur.
Rainald Goetz ist ein Schriftsteller den ich mag. Er hat sich vor Jahren mal, da war ich noch gar nicht auf der Welt, beim Ingeborg-Bachmann-Preis, mit einer Rasierklinge die Stirn aufgeritzt. Mit von Blut besudelten Händen und blutbesudeltem Manuskript sorgte er für einen Eklat. Er schrieb mal für die Spex, tat selbiges über Sven Väth und mit Westbam, schrieb das Buch Rave [*] und vor ein paar Tagen schickte mir Suhrkamp sein neues Buch. elfter september 2010. Bilder eines Jahrzehnts. Jetzt mag ich Rainald Goetz noch ein wenig mehr, denn er hat dem Suhrkamp Programm ein ganz wunderbares Fotobuch beschert.
Es ist also ein Fotobuch geworden. Ein Bildband. Man mag es nennen, wie man möchte. Über die Tatsache hinaus, dass Goetz, der seit Kindesbeinen mit Fotografie konfrontiert, ganz toll fotografiert, werden nahezu jedem Motiv in diesem Band ein paar Worte gewidmet. 'Schröder betritt den Reichstag durch den Nordeingang' (Seite 48), 'empfindungskomplexe Molekülmodelle' (Seite 50). Mein tiefes Harmoniebedürfnis fühlt sich in Bild- und Wortwahl geborgen. Ich sehe Peter Struck auf Seite 119, sehe den politischen Betrieb der Nullerjahre und das alles paart sich mit dem Exzess des Nachtlebens, des Kulturbetriebs. Es ist mir mit diesem Buch als beschalle DJ Hell den Bundestag und Norbert Röttgen (Seite 163, fast Bildmitte jedenfalls) stünde im Pudel Club neben mir.
Dieses Buch ist ein gerechtes Zeitdokument. Es haut rein. Dreigeteilt und vornehmlich Berlin gewidmet, finde ich hier die letzten neun Jahre meines Lebens verpackt zwischen zwei Buchdeckeln. Es sticht. Ich habe fast ein wenig geweint bei einigen Bildern. Der Melange wegen, die so schön ist. Doch nun vorwärts und sehen, ob Rainald Goetz einem weiteren Buch die Worte aus Psalm 23 'und müsste ich gehen in dunkler Schlucht' voranstellt. Ich erhoffe es mir.
und nun die werbung:
07 Dezember 2010
media: leerstandsmelder.de
LEERSTANDSMELDER.DE
web. leerstandsmelder.de
heads. gängeviertel e.v.
since. 2010
location. hamburg
Vor Jahren hat mir ein sehr kluger Lehrer mal die Phrase 'Hanse- und Abrissstadt Hamburg' mit auf den Weg gegeben. Sein Verdruss über die städtebaulichen Veränderungen war groß und damals war der Struggle um das Gängeviertel noch gar kein Thema. Klar, Hamburg definiert sich als weltoffene Metropole oder drückt sich den Stempel auf, das Tor zur Welt zu sein. Es ist Konsens zu behaupten, dass hier in der schönsten Stadt der Welt gelebt wird. Diese Wertungen entstammen meines Erachtens einer protegierten Lebensweise. Wer sowas behauptet, ohne am eigenen Verstand zu zweifeln, muss auf einem Auge blind sein. Hamburg ist zweifellos eine schöne Stadt und bietet seinen Bewohnern, gemessen an anderen Metropolen, ein hohes Maß an Lebensqualität. Die städtebauliche Entwicklung der letzten Jahre ist jedoch rückwärtsgewandt, unsozial und darf so nicht hingenommen werden.
Während es für sozial schwächer gestellte Mitmenschen nahezu unmöglich geworden ist in innerstädtischen Vierteln bezahlbaren Wohnraum zu finden, stehen aktuell über 1,17 Mio. Quardratmeter Bürofläche leer. Bei einer Leerstandsquote von 10% im Jahr 2009 wurden im selben Jahr 237.000 Quadratmeter neue Flächen fertiggestellt. Was kann man mit solchen Flächen nicht alles anstellen, hm?
Über Gentrifizierung wurde hinlänglich debattiert. Man kann über Ursachen reden so viel man will. Wer ist Schuld? Sind am Ende wir die bösen Gentrifier? Wer wertet Viertel auf? Schaffen wir die Nachfrage? An den realen Problemen der Menschen die vergeblich dort nach bezahlbarem Wohnraum, wo sie sozialisiert waren und bleiben wollen, geht diese Debatte vorbei. Auf St.Pauli sind die Mieten in den letzten Jahren um sagenhafte 28% gestiegen. Die Verdrängung von sozial schwächeren Mitmenschen ist ein tägliches Geschäft für jene die von zahlungskräftigen Mietern und Konsumenten profitieren. Dem ist mit allen Mitteln entgegenzuwirken und von endlosen Gesprächen bei Yogitee im Stuhlkreis abzusehen.
Diesen Monat ist der Leerstandsmelder für Hamburg online gegangen. Die Zusammenarbeit des Gängeviertel e.V. mit dem Hamburger Unternehmen Ublilabs und dem Art Lawyer ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man Instrumente schaffen kann, die gleichermaßen informieren, wie inspirieren.
Auf leerstandsmelder.de kannst du dich kostenlos registrieren und Leerstände im Großraum Hamburg melden. En Detail können nun Angaben zu Gebäude, Eigentümer und Nutzungsmöglichkeiten gemacht werden. Die Einträge sind mit Fotos versehen, die Liste wächst stetig und das allgemeine Echo ist enorm positiv. Es bleibt zu beobachten, ob und wie dieses Projekt sich auf die kommenden Entwicklungen auswirkt. Ich bin begeistert und sicher, dass diese Idee einen gehörigen Beitrag dazu leisten kann, dass wir unserem 'Recht auf Stadt' nicht nur mit Worten Nachdruck verleihen könne, sondern auch durch organisierte Praxis.
In diesem Sinne: Guten Wohnraum für ALLE.
03 Dezember 2010
einwurf #28
das ist unser einwurf #28
heute: unvergessen.
Allerseits bereits gefeiert. Längst drüber gesprochen oder geschrieben. Im Prinzip schon in der Mottenkiste. James Blake kündigte ein Debütalbum für Januar 2011 an, veröffentlichte ein Cover von 'Limit to your Love' und machte mich damit nachhaltig glücklich. Es sollte nicht immer nur um 'brandneu' und 'up-to-date' gehen. Vor Wochen lief dieses Lied bei mir hoch und runter, doch erst heute finde ich, da sollte es auch hier eingebettet sein. Heute. So mancher mag das Lied aus dem allgemein immer schwächer werdenden Kurzzeitgedächtnis schon wieder gestrichen haben. Es ist gewichen. Wurde vergessen. Die Synapsen verarbeiten wieder eine Flut an neuen Eindrücken. Da huscht ein solches Meisterwerk nur vorbei. Zack da. Zack weg.
Fragt man mich, wer das denn noch lesen und hören wolle, da erwidere ich, dass mir kein Mensch einfallen wird, weil ich nich darüber nachzudenken gewillt bin. Das geschieht alles losgelöst von Angebot und Nachfrage. Ich habe mich an ein ganz wunderbares Lied erinnert. Es war nur ein kurzer Augenblick. Eine Schneeflocke, die mir heute morgen ungewöhnlich lang im Blickfeld blieb, als ich die erste Zigarette genoss. Da war es da. Klang. Ton. Akkord.
Jetzt baut dieses Lied eine Brücke. Eine Brücke zu einem Freitagmorgen, da im verschneiten Hinterhof. Es wird ein unvergessener Moment bleiben. Eine Erinnerung. Eine Erfahrung von den vielen, deren Summe wir letztlich sind.