On That Day
MIJ Productions (ir / 2008)
regie: Babak Amini
cast: Golnar Fallahian, Behnam Amini
dauer: 8:59 min
Dieser Film ist die Veranschaulichung eines unfassbaren Konflikts
Seit 2001 befinden sich die USA und ihre Verbündeten in einem 'Krieg gegen den Terror'. Zwar wird die Regierung um Barack Obama, wie 2009 durch Außenministerin Hillary Clinton verkündet, diese Formulierung nicht mehr verwenden, doch die durch 9/11 und die Bush Doktrin entflammten Konflikte halten an. Die bestehende Instabilität von Afghanistan und Irak, sowie der Nahostkonflikt und die Haltung der westlichen Hemisphäre gegenüber Iran. Das Geschäft mit Waffen und militärischem Material boomt - die Welt ist seit dem kalten Krieg keineswegs eine friedlichere geworden.
Der Name des Projekts 'Make Films Not War' [*] ist in diesem Zusammenhang mehr als bezeichnend und steht auch als Pate für den Kurzfilm, den ich euch ans Herz legen will.
Babak Amini ist 1970 in der kurdischen Provinz im Vielvölkerstaat Iran geboren. Er studierte in Teheran Philosophie und arbeitete anschließend zehn Jahre als Assistent des bekannten iranischen Regisseurs Bahman Ghobadi. Unter anderem wirkte er an den Filmen 'A Time for Drunken Horses', 'Turtles Can Fly', und 'Half Moon' mit. Sein Kurzfilm 'Angels Die In The Soil' wurde auf internationalen Festivals gezeigt und 2008 beim Palm Springs International Shortfest ausgezeichnet.
On That Day ist sein Beitrag zu 'Make Films Not War' und entstand in Zusammenarbeit mit Bahman Ghobadi. Eine Exil-Irakerin möchte Gerechtigkeit im Namen ihrer Familie erstreiten. Unter Saddam Husseins Ägide wurde ihre Familie ermodert und sie musste aus ihrer Heimat nach Iran flüchten. Nach der Verhaftung des irakischen Diktators entschließt sie sich zur Rückkehr, denn die US-Propaganda verkündete, dass jede Anklage gehört werden solle. An der iranisch-irakischen Grenze wird sie jedoch aufgehalten.
Diese absolut minimalistische Szenerie, die karge Berglandschaft und die fast schon surreal anmutende Situation manifestiert in Person der Protagonistin einen Konflikt, der nicht mit Waffengängen und ebenso wenig mit der Hinrichtung eines verhassten Diktators beendet werden kann. Doch besser ihr schaut selbst.
30 März 2010
film: On That Day
24 März 2010
szene: 10 days / 10 nights
10 days / 10 nights
TEMPORARY BOOKSTORE OPENING / YBDPT STUDIO
zeitraum: 25.03.2010 - 03.04.2010
location: yeahboy department,
marktstraße 117, 20357 hamburg
details: yeahboy.biz
Für die kommenden zehn Tage präsentiert sich das YBDPT STUDIO im Hamburger Karoviertel als Buchladen. Man kann sicher sein, dass diese Idee wieder feinsten Genuss für alle Sinne bedeutet. Der Schwerpunkt wird auf besondere Magazine, Veröffentlichungen und Bücher gelegt werden, die sich rund um Fotografie, Fashion und Design drehen - kein Wunder also, dass von dieser Seite aus dringendst empfohlen wird diese Gunst der Stunde zu nutzen.
In den Ankündigungen von Yeahboy Department fallen unter anderem folgende Namen: Kaugummi, White Fungus, Rainoff, Ultraviolet Magazine, Unagi Books, Izrock oder Wystke van Keulen. Desweiteren wird die erste Zusammenarbeit von YBDPT mit dem Hamburger Magazin 'Nude Paper' [*] und Paul R. Gregor vorgestellt. Das Zine wird in einer Auflage von dreissig Exemplaren erscheinen und den Titel 'Nude Boy' tragen.
Bei guter Musik, kalten Getränken und ein bisschen was für den Magen werden am Donnerstag, den 25. März, um 19 Uhr die Türen bis 22 Uhr geöffnet. Also hin da!
21 März 2010
buch: Versteh mich nicht falsch
Versteh mich nicht falsch
Gesten weltweit. Das Handbuch.
Julia Grosse und Judith Reker
EAN 9783981337006 / 128 Seiten
Bierke (2010) / 14,90 Euro
Dieses Buch ist nicht nur informativ und unterhaltsam - hübsch kommt es auch daher.
Es wird nicht verborgen geblieben sein, dass sich hier viele Empfehlungen um das Reisen und Unterwegssein drehen. So ist es auch bei dieser kleinen und feinen Veröffentlichung aus dem Münchner Bierke Verlag. Versagt der Wortschatz auf der Reise, dann kommt man nicht umher sich mit Händen und Füssen zu unterhalten. Hier kann die Lektüre von Versteh mich nicht falsch vor der Reise äußerst hilfreich sein. In Afghanistan oder Irak wird man sich mit einem fetten Lächeln und dem erhobenen Daumen sicher keine Freunde machen - selbst, wenn man es noch so gut meint. Wieso? In beiden Ländern gilt diese Geste als vulgäre Beleidigung. Man erinnere sich an Silvio Berlusconis Entgleisung im Februar 2002 - bei einem Gruppenfoto zeigte er hinter dem Kopf des damaligen spanischen Außenministers Josep Pique die Geste, die einen gehörnten Ehemann anzeigt. Julia Grosse und Judith Reker haben in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Bong-Kil Grosse ein Büchlein entworfen, dass gleichermaßen zum Schmunzeln anregt, wie informiert.
Auf der Website [*] zum Buch gibt es übrigens die Möglichkeit sich ein paar Seiten durch das Buch zu blättern. Verschafft euch also einfach selbst einen Eindruck. Es lohnt sich.
medientipps:
18 März 2010
einwurf #06
das ist unser einwurf #06
heute: kultur konsum kosmopolit.
In Thilo Sarrazins Kopfkino laufen streckenweise äußerst seltsame Filme ab. Der ehemalige Berliner Finanzsenator ist heute Mitglied im Vorstand der deutschen Bundesbank und laut der SPD - Landesschiedskommission kein Rassist - wir fragen: wer findet hier den Fehler? Im Oktober vergangenen Jahres erschien in der unbedingt lesenswerten Kulturzeitschrift Lettre International [*] das Interview, welches Frank Berberich mit Thilo Sarrazin führte. Hier erklärte der SPD-Politiker, dass Türken und Araber in Berlin 'keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel' inne hätten und 'ständig neue kleine Kopftuchmädchen' produzierten. Diese Menschen müsse er 'nicht anerkennen'. Ist es gestattet festzustellen, dass Thilo Sarrazin seit geraumer Zeit offensichtlich keine andere produktive Funktion hat, als hier und dort einen Keil zwischen verschiedene Gesellschaftschichten zu treiben? Übrigens sagte der Ex-BDI Präsident Olaf Henkel, dass Sarrazin jetzt einem 'Vernichtungsfeldzug' [*] ausgesetzt sei. Vielleicht leiden die Herrschaften auch nur unter einem eklatanten sprachlichen Unvermögen.
Wo wir bei einem weiteren Herren wären. Geert 'Die Frisur' Wilders sorgt für Schlagzeilen, weil er die treibende Kraft hinter dem Rechtsruck bei den vergangenen Kommunalwahlen in den Niederlanden war. In diesem Zusammenhang kramen wir ein Buch aus dem Regal, dass bereits 2005 bei Suhrkamp erschien: Gert Mak 'Der Mord an Theo van Gogh - Geschichte einer moralischen Panik'. Zum Verständnis gegenwärtiger Entwicklungen solltet ihr es lesen [*] - ist auch ein überaus kostengünstiges Kulturgut.
Jetzt lehne ich mich zurück, schlage das aktuelle Heft von Lettre International auf und genieße die exotischen Tabakrauchwaren aus Tunesien, die mir gestern zugesteckt wurden. Ganz kosmopolitisch. Ganz weit weg von Sarrazin und Wilders. Ganz gemütlich und ganz bestimmt auch glücklicher. Schließen wir mit den Worten des Kosmopolitikers Dag Hammarskjöld 'Icke jag utan gud i mig'.