Memories
Pull My Strings Productions (uk / 2010)
regie / story: Radoslaw Sienski
cast: Andrew Bolton, Tom Bolton, Vicky Bolton, Thea Bolton
dauer: 2:01 min
Es ist alles gut, so lange wir uns zu erinnern nicht vergessen.
Anfang diesen Jahres hat Radoslaw Sienski beim Altered Images Student Post Production Festival in London gleich zwei Preise abgeräumt. Sowohl der Best Music Video Award, als auch der Best Fiction Award gingen an den Studenten der Buckinghamshire New University. In letzterer Kategorie konnte er mit dem zweiminütigen Kurzfilm beeindrucken, der hier zu sehen ist.
Memories erzählt die kurze Geschichte eines Mannes, der während seines Heimwegs auf Negativfilme stößt. Völlig willkürlich entdeckt er immer neues Material und stellt fest, dass es sich dabei um seine eigene Geschichte handelt. Momentaufnahmen aus seinem Leben, die er nun vor dem inneren Auge nocheinmal erlebt.
Radoslaw Sienski beeindruckt mit diesen wunderschönen Bildern. Stellen wir uns das Leben als ein Buch vor, so sind es die unscheinbaren Randnotizen, die es so lesenswert und lebenswert machen. In Memories hat sich Sienski dem Bild der Schnappschüsse bedient. Viel zu häufig sehen wir über sie hinweg, obwohl sie bei genauerer Betrachtung, oft eine unfassbare Intensität entwickeln.
Der Soundtrack stammt vom Album 'Vain - A Tribute to a Ghost', der slowenischen Band Silence [*].
11 April 2010
film: Memories
07 April 2010
media: damnyeah!
damnyeah!
web. damnyeah.de
heads. florian bredl, timm reiter
since. 2009
location. hamburg
Schon immer haben sich Menschen zusammengeschlossen und Netzwerke gebildet. Bis ins neunzehnte Jahrhundert existierten die einflussreichen Zünfte. Handwerker schlossen sich hier zusammen, um die Wahrung gemeinsamer Interessen zu gewährleisten. Orden, Zirkel oder Bünde waren ausschlaggebend für viele gesellschaftliche Entwicklungen. Informationen und deren kontrollierter Austausch sind wichtige Werkzeuge, wenn es um Macht und Einfluss geht. Ein Schelm wer denkt, dass es heutzutage weit transparenter zugeht. Doch nun genug davon.
Anfang vergangenen Jahres haben Florian Bredl und Timm Reiter ein Netzwerk gegründet, dass sich auf angenehme Art und Weise von den unzähligen social communities abhebt. Mit damnyeah! wurde eine neue Plattform für Kreative geschaffen, die hier ausdrückliche Erwähnung finden soll.
Die Community besticht jetzt nicht durch herausragende neue Funktionen, sondern viel mehr durch ihre Einfachheit. Simpel ist es und genau hier lag auch ein Schwerpunkt der beiden Macher. Hier fällt der Aklimatisierungsprozess einfach mal weg und du kommst direkt rein, ohne dabei auf irgendwelche relevanten Funktionen verzichten zu müssen.
Interessant sind die Einblicke allemal. In den Showcases der einzelenen User werden Arbeiten, sowie Projekte präsentiert und es gibt regelmäßige Contests - so endete zum Beispiel am 01.03.2010 der Krimi2.0 Logo Contest. Man schaue sich einfach die Resultate an und bilde sich eine eigene Meinung. In meinen Augen ist damnyeah! eine der angenehmsten Communities und frei von szenetypischen Eitelkeiten. Registrieren ist, für jeden der sich selbst kreativ schimpft oder so geschimpft wird, also eigentlich Pflichtprogramm.
04 April 2010
szene: Machtclub #80
Machtclub #80
Der erste Literatur-Rave der Welt
zeitraum: 26.04.2010 um 20:00
location: uebel & gefährlich, feldstraße 66, 20359 hamburg
details: macht-ev.de
Vor einigen Tagen habe ich das neue Buch von Airen ausgelesen. Es ist bei Blumenbar erschienen, trägt den Titel 'I Am Airen Man' [*] und stellt die literarische Grauzone zwischen Exzess und Erzählung dar. Es war anders, es ist gut. Ganz ähnliche Pfade beschreitet in diesem Frühjahr der MACHT e.V. mit der achtzigsten Ausgabe des Machtclubs - die Melange aus Rave und Literatur mit Wiebke Lorenz, Jürgen Teipel, sowie On + Brrr. Als Brüder im Geiste oder wie zwei Hände eines Menschen, so wird erläutert, treffen Rave und Literatur an diesem Abend aufeinander.
Vor knapp zwei Wochen hat die Hamburger Schriftstellerin Wiebke Lorenz ihren aktuellsten Roman vorgelegt. 'Allerliebste Schwester' ist wie ein Tauchgang in die menschliche Psyche. Die erzählerische Dichte und das verstörende Grundrauschen, machen die Geschichte um den ungeklärten Tod von Evas Zwillingsschwester zu einem guten Grund, sich an diesem Abend für eine Weile an Wiebke Lorenz' Lippen zu hängen.
Jürgen Teipel hingegen hat einen fast schon entrückten Roman geschrieben. Mexiko City ist, ebenso wie in weiten Strecken bei 'I Am Airen Man', der Schauplatz seiner Geschichte. Drei Menschen auf dem Weg zu einem Technofestival, um sich dort Musik, Rausch und Feierei hinzugeben. So ganz problemlos gestaltet sich der Trip jedoch nicht - allzu menschliche Zerwürfnisse werden zu einer Herausforderung, deren Meisterung sich Teipel in einer phänomenalen Sprache widmet.
Letztlich runden passenderweise Gizmog und Rodion Levin als On + Brr [*] den Abend mit ihrer Melange aus Bass und Wort ab.
medientipps:
02 April 2010
buch: Gerald Hörhan / Investment Punk
Gerald Hörhan / Investment Punk
Warum ihr schuftet, aber wir reich werden
EAN 9783990010082 / 208 Seiten
edition a (2010) / 19,50 Euro
Wer reich sein will, muss bereit sein, ein Punk zu sein.
Es kann passieren, dass dir der 34jährige Gerald Hörhan bei einem dieser Punkrock-Festivals begegnet, bei denen man in Matsch versinkt und literweise Bier fliesst. Mit Sicherheit würdest du dann nicht erwarten, dass er Eigentümer und Vorstand eines international erfolgreichen Corporate Finance Unternehmens ist. Gerald B. Hörhan ist ein Investment Banker. Er hat bereits bei McKinsey & Co in Frankfurt und an der Wallstreet für JP Morgan gearbeitet - auch diese Melange macht ihn zu dem, was er als Investment Punk bezeichnet.
Kürzlich ist im Wiener Verlag edition a [*] sein erstes Buch erschienen. Schon optisch tanzt dieser Einband unter all den Neuerscheinungen im Frühjahr angenehm aus der Reihe. Es fällt auf, es reizt und schon nach den ersten Seiten wurde jede Erwartung bestätigt.
Auf der Piazza schimpft das Prekariat über die Verwertungsgesellschaft und am Stammtisch sieht man die fondgestützte, private Altersvorsorge den Bach runtergehen. Schuldig sind stets der Kapitalismus und dessen Paladin - der Investment Banker. Solchen Schuldzusprüchen kann Gerald Hörhan wenig bis keine Substanz abgewinnen und gleich zu Beginn des Buches erklärt er ausführlich, wieso dem so ist. Es mag erschreckend klingen, aber seine Thesen leuchten stets ein und das zuzugeben bedeutet keineswegs, mit den Ungerechtigkeiten eines Systems einverstanden zu sein.
Gleichermaßen ist dieses Buch auch ein Abgesang auf den Mittelstand, dessen Dekonstruktion überwiegend selbstverschuldet ist. So mancher Leser darf sich empfindlich berührt fühlen, denn Hörhan ist schonungslos. Es ist nichts anderes als ein Leben im Hamsterrad, dass viele von uns führen. Einem vermeintlich sicheren Job als Angestellter folgt ungezügelter Konsum. Das Haus in der Peripherie, die Designer - Einbauküche und der Neuwagen - alles auf Pump, alles finanziert. Das dies alles nichts mit Investition, aber sehr wohl mit Schuldendienst zu tun hat und wie es möglich ist, einen alternativen Weg einzuschlagen wird in Investment Punk auf unterhaltsame und kurzweilige Art erörtert. Für mich ist dieses Buch schon jetzt, dass Sachbuch 2010 überhaupt.
medientipps: